Wissenswertes über das Fünflibertal
Die drei Gemeinden Bubendorf, Ziefen und Reigoldswil bilden das Fünflibertal. Die hügelige Landschaft macht das Tal so besonders, man sagt nicht um sonst, es sei eines der schönsten Täler im Baselbieter Jura. Es liegt in der Nordwestschweiz, ca. 25 Kilometer ausserhalb der Stadt Basel. Das Fünflibertal ist mit dem öffentlichen Verkehrsmittel sehr gut erschlossen. Sie erreichen es mit der Bahn bis Liestal Bahnhof SBB, danach umsteigen auf die Buslinie 70 der Autobus AG Liestal, Richtung Reigoldswil. Das Fünflibertal ist ein wahres Wanderparadies. In Reigoldswil führt die einzige Gondelbahn der Nordwestschweiz die Wanderer von Reigoldswil ins Wasserfallen-Passwanggebiet hinauf. Das Wandergebiet führt durch saftige Wiesen, grüne Weiden und schöne Wälder. Der höchste Punkt im Wandergebiet bildet der Passwang mit 1204 m.ü.M. Von hier oben hat man bei guter Fernsicht einen grandiosen Ausblick. Im Süden sind die schneebedeckten Schweizer Hochalpen (Eiger, Mönch und Jungfrau), im Norden der Schwarzwald in Deutschland und im Nordwesten die Stadt Basel und die Vogesen im Elsass, Frankreich zu sehen.
Etwas Kulturelles: Ziefen ist die einzige Rebbau Gemeinde im Tal mit dem schön gelegenen Rebberg. Die Fresken in der Ziefner Kirche St.Blasius sind von nationaler Bedeutung. Am Heilig Abend findet in Ziefen ein Spektakel der besonderen Art statt, das mystische Nünichlinglen. Südlich von Bubendorf liegt das Naturschutzgebiet rund um das Schloss Wildenstein (Schloss, Schlossweiher, Sormattfall und Eichenwitwald). In allen drei Dörfern gibt es ein Museum. In Bubendorf ist es das Krippen- und Spielzeugmuseum, in Ziefen und Reigoldswil jeweils das Heimatmuseum mit Schwergewicht Heimposamenterei (Seidenbandweberei). Auffällige Gebäude im Tal sind der Dinghof (ehemaliges Regierungshaus für das ganze Tal) und das Pfarrhaus in Bubendorf. In allen drei Dörfern sieht man schöne gepflegte und gut erhaltene Baselbieter Posamenter- und Bauernhäuser. Das einzige ganz erhaltene Höhenschloss im Kanton Baselland ist das Schloss Wildenstein, dass südlich von Bubendorf liegt. Ein Markenzeichen von Reigoldswil ist die Ruine Reifenstein mit seinen markanten Felsen.
Seidenbandweberei
Die Einführung des Kunststuhles, auch Bändelmühle genannt (1666), gab den Ausschlag zur Verbreitung der Posamenterei im Baselbiet und nicht zuletzt auch im Fünflibertal. Schon 1760 war Ziefen ein ausgesprochenes Posamenterdorf. Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere posamentenden Vorfahren den Grundstein zur finanziellen Erstarkung der Familien und damit auch der Gemeinden gelegt haben. Ziefen und das ganze Fünflibertal war von der Heimposamenterei geprägt. In der Blütezeit um 1880 herum standen nicht weniger als 288 Webstühle in den Häusern von Ziefen, im ganzen Tal gegen 800.
Anfangs wurden die Webstühle von Hand betrieben, ab 1902 wurden sie motorisiert. In einem Haus standen bis zu sieben Webstühle, je nach Platzbedarf. Die typischen „Posamenterhäuser“weisen sehr viele Fenster auf, der Grund dafür war, der Raum wo sich die Webstühle befanden sollte sehr hell sein, denn oft mussten die gerissenen Seidenfäden neu eingeführt werden. Damit man die Fäden einziehen konnte, musste es sehr hell sein. Bis zur Kantonstrennung 1830-33 (Abspaltung der Landschaft von der Stadt) blieb Ziefen (auch Bubendorf und Reigoldswil) der Stadt Basel treu, aus Angst, sie könnten die Arbeit verlieren. Einen Hinweis dafür findet man in der Kirche St.Blasius. Über der Orgel thront heute immer noch der „Baslerstab“. Lisette Waldner (s’Diegmatt Lisettli 1902 -2000), Ziefen, war die letzte Heimposamenterin des Kantons Basellands und des Fünflibertals. In der „Diegmatt“ arbeitete sie bis 1986 für Aufträge der Firma Thurneysen in Basel an ihrem Webstuhl zu Hause. Ihr Heimposamenter – Webstuhl wurde von Ziefen in die Filiale Prangins (Waadtland) des Landesmuseums abtransportiert, wo er auch heute noch zu sehen ist (allerdings ist er nicht mehr Betriebsfähig).
Wenn Sie das Dorfmuseum Ziefen besuchen, können Sie einen funktionstüchtigen Schlagwebstuhl in Aktion sehen. Von diesen gibt es noch drei Stück. Nebst in Ziefen ist ein weiterer Webstuhl im Freilichtmuseum Ballenberg im Berneroberland und der dritte Webstuhl im Dorfmuseum „Im Feld“ Reigoldswil zusehen.
Was ist ein Posamenter/in
Was ist ein Botenwagen
Wie entstand der Name Fünflibertal
Der Begriff „Fünflibertal“ hat einen festen Hintergrund und ist kein Pseudoname. Damals im 19. Jh. verdiente ein Grossteil der Bevölkerung im Tal der hinteren Frenke seinen Unterhalt mit der Posamenterei (Seidenbandweberei). In der Blütezeit um 1880 standen nicht weniger als 717 Webstühle in den Häusern in den drei Dörfern Bubendorf (150), Ziefen (244) und Reigoldswil (323) im Einsatz. Die „Herren von Basel“ liessen die fertigen Seidenbändel nicht etwa abholen, nein, die Posamenter mussten sie selber nach Basel bringen. Entweder mit dem sogenannten „Botenwagen“ oder zu Fuss mit dem Rucksack. In Reigoldswil und Ziefen gibt es immer noch je eine Strasse die Baselweg benannt sind. Die Seidenherren wollten die Posamenter mit Geldscheinen entlohnen, doch im Fünflibertal hatte man damals kein Vertrauen in Papiergeld und bevorzugte es lieber den Lohn in Fünflibern ausbezahlt zu bekommen. Papiergeld konnte man zerreissen und es hätte keinen Wert mehr gehabt, jedoch einen Fünfliber (Fünffranken-Stück) nicht und ausserdem bestand er auch noch aus Silber. So entstand der Name „Fünflibertal“
Eine andere Version: In Reigoldswil erzählt man:
Anfangs des letzten Jahrhunderts gab es in unserem Tal noch viele Posamenter, welche auf ihren Webstühlen Seidenbänder gewoben haben. Die Geschäftsleute, „D’Herre vo dr Stadt“ (Die Herren von der Stadt) bezahlten den Posamentern für ca. 16 Std. mühsame Arbeit einen Taglohn von 5.-Fr. Daher heisst unser Tal im Volksmund auch das „Fünflibertal“.
Eine weitere Version:In Bubendorf erzählt eine Sage folgendes:
Das Feuflybertal
Die vom Reigetschwylertal hai im Baselerchrieg zu der Stadt ghebt. Do hai alli Posimänter vo de Heere feuf Franke übercho. Do haiene d’Reveluzzer der Name Feuflybertal aghängt.
(Die vom Reigoldswilertal hatten beim Baslerkrieg zu der Stadt gehalten. Dafür haben alle Posamenter von den Herren (Seidenherren) fünf Franken erhalten. Danach haben die Revolutionäre ihnen den Namen Fünflibertal angehängt.)
Markt in Reigoldswil
Öffentlicher Verkehr
1905 wurde die Automobilgenossenschaft Liestal – Reigoldswil AG gegründet. Das bedeutete gleichzeitig, dass die Strecke zwischen Liestal und Reigoldswil die erste konzessionierte Buslinie der Schweiz war. 1911 fuhren die Fahrzeuge im flachen Gelände bis 18 Km/h und im offenen Feld bis 40 Km/h. 1914-18 im ersten Weltkrieg wurden keine Retourbillette verkauft, da oft die Rückfahrt nicht garantiert werden konnte. Das Benzin wurde sporadisch mit Petrol gestreckt. 1928 wurde die Strecke Reigoldswil – Liestal bis Basel verlängert. 1929 wurde ein Anhängerwagen angeschafft. Er fasste 34 Sitzplatze und 15 Stehplätze. Dies war der erste Automobilzug der Schweiz. 1930 wurde die Genossenschaft in die Autobus AG Liestal unbenannt. Heute wird die Line Reigoldswil –Liestal – Basel mit modernen Gelenkbusen betrieben, die Fahrzeit beträgt ca. 50 Minuten.
Bad Bubendorf
Eine am Fusse des Furlenhügels entspringende Quelle wurde schon vor ihrer urkundlichen Erwähnung im Jahre 1641 vom Landvolk zu Heilzwecken verwendet. Als 1641 ein Täufer aus Lenzburg die Heilkraft des Wassers als besser als jene von Gontenschwil bezeichnete, musste die Quelle wegen des grossen Volksandrangs eingefasst und abgeschlossen werden. Doch ein negatives Gutachten der medizinischen Fakultät der Universität Basel hatte zur Folge, dass das Bad ein Volksbad blieb. Erst 1741 errichtete der Schneider Hans Jakob Rudin gegen den Widerstand der Bubendörfer eine hölzerne Badhütte, die er im gleichen Jahr an Frau Antonia Katharina Heusler, geborene Burckhardt, verkaufte. Frau Heusler ersetzte die Badhütte durch ein grosses steinernes Haus und erhielt gegen den Widerstand der Wirte von Liestal, Hölstein und Oberdorf das Recht zum Weinausschenken während der Badezeit. Unter Schultheiss Hebdenstreit nahm das Bad um 1760 einen derartigen Aufschwung, dass ober- und unterhalb des Hauptbaus zwei zurückgesetzte giebelständige Bauten errichtet wurden. Doch unter Schultheiss David La Roche musste das Hauptgebäude wegen Fundamentschäden abgebrochen und durch einen dreigeschossigen Neubau ersetzt werden. Baumeister waren die Maurermeister Moritz Bücklin von Satteins, Herrschaft Feldkirch, und Anthoni Werckmüller von Hinderlagen im Allgäu.
Von David La Roche und seinem Sohn Andreas erwarb 1804 Mathias Fluhbacher von Läufelfingen das Bad und gestaltete es aussen im Stile des Frühklassizismus um. Eine bedeutende politische Rolle als “basellandschaftliches Rütli” spielte das Bad in den dreissiger Jahren, als die hier am 18. Oktober und am 29. November 1830 versammelten Anführer der Unzufriedenen den Beginn der Trennungswirren verursachten. In den späteren Kämpfen wurde das Bad beschädigt, weil der Wirt baslerisch gesinnt war. 1837 richtete Fluhbacher im Bad Bubendorf der damaligen Zeit entsprechend Solbäder ein. Erst 1948 verkaufte die Familie Fluhbacher das Bad, worauf es über J. Michel und H. Huggenberg an die Basellandschaftliche Kantonalbank ging. Diese liess das Aeussere 1964 restaurieren, das nördlich gelegene Oekonomiegebäude und den Saal hinter dem Hauptgebäude abbrechen. Dabei verschwanden das Oblicht mit der Jahreszahl 1304 über dem Eingang und der Dachreiter mit dem Glöcklein auf dem Hauptgebäude. Das nördliche giebelständig zurückstehende Gebäude war bereits früher abgebrochen worden. 1977 erwarb R. Huber das Bad Bubendorf und liess es zu einem modernen Restaurant- und Hotelbetrieb ausbauen. Die in den Jahren 1979-1981 durchgeführte Restaurierung umfasste auch verschiedene Anbauten auf der Rückseite und auf der Nordseite. Das Hauptgebäude und das ehemalige Pächterhaus im Süden blieben aber erhalten, wurden allerdings im Innern entsprechend den Erfordernissen eines neuzeitlichen Betriebes vollständig erneuert. Gleichzeitig entfernte man den unschönen Saalanbau auf der Südseite des Hauptgebäudes. Das Dach des Hauptgebäudes erhielt wieder einen Dachreiter mit einer Glocke. Zugleich wurden die Lukarnen auf der Vorderseite rekonstruiert und um eine vermehrt.
Das achtachsige Gebäude gliedert sich im Rhythmus von 2-4-2 Achsen. Flache Pilaster mit kunstvollen Eierstabkapitellen fassen die Ecken ein, während das Sockelgeschoss und die Giebelfelder mittels flachen Gurten abgetrennt sind. Neben dem Haupteingang mit flachen Pilastern und vorkragendem Gebälk erinnert eine Gedenktafel an die Freiheitsbewegungen, die vom Bad Bubendorf ausgingen. Das ehemalige Pächterhaus am Hang besitzt zwei ebenerdige gewölbte Keller mit Stichbogentor und Rundfenstern. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass das 1764 errichtete Gebäude unter Verwendung von Bauteilen des 1742 errichteten ersten Gebäudes erbaut worden ist. Das stattliche, dreigeschossige Gebäudespan entspricht in seinem Kubus der Form der Badhäuser jener Zeit, die sehr auf Repräsentation ausgerichtet waren. Dazu trägt auch die klassizistische Fassadengliederung bei, die sehr monumental wirkt, während das grosse Krüpoelwalmdach dem Gebäude einen eher behäbigen Anstrich verleiht. Dank der vor kurzem vollendeten Restaurierung ist die historische Gebäudegruppe wieder zu einem wichtigen Akzent des Taleingangs geworden.
Quelle: Homepage Kanton Baselland
Gemeindeschulhaus Bubendorf
Quelle: Homepage Kanton Baselland
Dinghof in Bubendorf
Quelle: Homepage Kanton Baselland
Pfarrhaus in Bubendorf
Der älteste Teil davon ist der giebelständige Hauptbau, der offenbar im 16. Jahrhundert entstand. Ihm schliesst sich fluchtbündig der traufständige, niedrigere Nordtrakt an. Der zurückstehende, kleine Südtrakt mit oberem Ausgang zum Friedhof wurde 1695 erbaut. Im Jahre 1767 musste der Ingenieur J.J. Fechter ein Gutachten über den baulichen Zustand des Hauses abgeben. Dabei stellte sich heraus, dass vor allem die Flügelbauten in einem bedenklichen Zustand waren. Die Wiederherstellung wurde sofort an die Hand genommen und bis 1772 zu Ende geführt. Nicht weniger als 23 Kreuzstöcke wurden neu gemacht. Somit steht fest, dass die Fenster in der jetzigen Fassung aus dem 18. Jahrhundert stammen. Die gestaffelte Anlage ist also in verschiedenen Etappen entstanden, doch fügte man sich dem steilen Gelände an, so dass im Innern die Räume sowohl übereinander als nebeneinander angelegt sind. Im Norden befindet sich ein kleiner Brunnenhof, den ein zweigeschossiger Schopf- und Laubentrakt riegelartig abschliesst. Der nördliche Ausgang aus der Laube steht in Beziehung zu einer Gartenachse auf horizontalem Gelände, die dem Hang entlang führt, von zwei Rondellen unterbrochen wird und im 18. Jahrhundert entstand.
Im Innern ist die alte Raumeinteilung noch erhalten. In der Wohnstube steht ein grüner Kachelofen aus der Biedermeierzeit. Im Nordtrakt befindet sich ein Cheminée aus dem 18. Jahrhundert. Die bedeutendste Ausstattung enthält der Saal im Südtrakt, wo sich eine Bilderecke mit 36 rechteckigen Holztafeln befindet. Dargestellt sind Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament. Als Vorlage für die 1695 entstandenen Bilder dienten die Kupferstiche der sogenannten Merianbibel.
Das Pfarrhaus von Bubendorf ist durch seine Hanglage besonders ausgezeichnet. Als Gebäudegruppe zeigt es verschiedene Lösungen einer Hangüberbauung, wobei die markante Giebelständigkeit des Hauptbaus die Hanglage im Gegensatz zu den Nebenbauten ignoriert. Die dadurch entstandene Spannung zwischen Festklammern und Loslösen vom Hang nimmt dem langgestreckten Baukörper jede Neigung zur Monotonie, sondern schafft durch die verschiedenen Dachstellungen und Fluchtlinien der einzelnen Baukörper eine heterogene Gruppe.Stilistisch betrachtet leitet der spätgotische Bau durch seine Erweiterungen und die Vergrösserung der Fenster zum repräsentativen und stattlichen Barockbau über. Die Fensterreihen, die Fassadenanordnung und die Länge der Gebäudegruppe erscheinen zwar nicht im Sinne des Barocks vereinheitlicht, sondern bleiben in ihrer mittelalterlichen Unregelmässigkeit bestehen. Nicht die Grundsubstanz, sondern lediglich die Details wurden barockisiert. Diese Art von Barockisierung entspricht durchaus der im 18. Jahrhundert vorgenommenen Instandstellung, die eher einer Modernisierung, denn einer Renovation gleichzusetzen ist.
Quelle: Homepage Kanton Baselland
Höhenschloss Wildenstein
Als erster Eptinger nennt sich 1293 Heinrich von Eptingen „von Wildenstein”. Unter seinem Sohn Gottfrid erlebte Wildenstein wegen eines Landfriedensbruchs seines Besitzers 1334 eine Erstürmung der Burg durch die Berner und Solothurner. Das Ausmass dieser Beschädigung und jener durch das Erdbeben von 1356 sind nicht bekannt. Um 1380 verkaufte Gottfrids Sohn Hemann die Burg an die Geschwister Markwart, Götzmann und Elsi von Baden, doch verschenkten diese sie am 15. Juli 1384 dem Deutschordenshaus Beuggen, dem Markwart angehörte. Vier Jahre später veräusserte das Ordenshaus die Burg an Petermann Sevogel von Basel. Dieser vergrösserte den Besitz durch zahlreiche Landkäufe in der Umgebung und erwarb den Arxhof. Wildenstein blieb im Besitze der Familie Sevogel bis um 1480, kam um 1496 an Johannes Bär von Durlach und wenig später an dessen Sohn Ezechiel Bär. Dieser liess sich als Bürger von Solothurn aufnehmen, stellte die Burg unter Schutz und Schirm dieser Stadt und verlieh ihr dafür das Burg- und Öffnungsrecht. Diesem getarnten Vorstoss Solothurns in die Landgrafschaft Sisgau begegnete die Stadt Basel damit, dass sie um 1500 über ihren Bürger Georg Schönkind die Burg Wildenstein erwarb. Basel zog die zur Burg gehörenden Rechte und Freiheiten an sich und verkaufte sie mit den beiden Höfen Wildenstein und Arx mit der Bedingung, dass sie nicht verpfändet oder verändert, sondern unterhalten und der Stadt Basel geöffnet bleiben musste. Wildenstein wurde so zu einem Adelssitz mit sehr beschränkten Privilegien. Als solchen kauften ihn 1511 Margarita Lantzmann und ihr Sohn Fridlin Rein, genannt Oltinger, 1522 Junker Balthasar Hiltbrand und 1530 Johann Marx Russinger. 1572 ging Wildenstein an Bernhart Brand, der die Burg „in besseren Bau” brachte. Sein Sohn Theodor Brand liess 1622 eine Quelle fassen, das Wasser in die Burg leiten und „legte die Burg in stattlichen bauw und ehr”. Doch bereits 1634 verkaufte Theodor Brands Sohn Bernhard den Wildenstein an Balthasar Graf von Basel, der ihn 1657 an Junker Gustav Adolf Müller von Erdingen abtrat. 1664 ging Wildenstein an Johann Rudolf Schorendorf, der im Schlosse Wein ausschenkte. Nach dessen Tode erwarb es 1684 Meinrad von Planta von Wildenberg, verheiratet mit Sophie von Rosen. Diese gab nach dem Tode ihres Gatten 1693 den alten Turm als Wohnsitz auf und baute die Ökonomie- und Dienstgebäude an der Nordostecke des Schlosses zu einem Wohnhaus um. Schliesslich verkaufte sie 1710 den Wildenstein an Niklaus Christoph Langhagen, doch ging er bereits 1717 durch Ersteigerung an Peter Werthemann-De Bary. Dieser liess 1724 im unteren Hof eine neue Sennenwohnung erbauen und übergab 1747 den Wildenstein seinem ältesten Sohn Johann. Als dieser 1769 unverheiratet starb, übernahm ihn sein jüngerer Bruder Peter Werthemann-Burckhardt, von dessen Witwe er 1792 durch Erbschaft an Peter Vischer-Sarasin überging. Offensichtlich hatte die Wittfrau Werthemann nach dem 1781 erfolgten Tode ihres Gatten den Wildenstein kaum noch bewohnt, denn das 1792 erstellte Inventar zeigt, dass sich Gebäude und Umschwung in einem stark vernachlässigten Zustand befanden. Der grosse Wohnturm war völlig leer, hatte weder Türen noch Fenster, und der Plantabau war nur notdürftig möbliert. So war es Peter Vischers Aufgabe, umfangreiche und kostspielige Instandstellungen der Schlossgebäude, des Lehenhauses, der Scheune und Ställe sowie am näheren Umschwung vorzunehmen. Er errichtete 1812 den Brunnen vor dem Eingangstor des Schlosses und legte einen kleinen Schlossgarten an. Sein Sohn Peter Vischer-Passavant nahm von 1824 bis zu seinem Tode 1851 zahlreiche Verbesserungen der Zufahrtswege, der Ökonomie- und Wohngebäude vor. Nach seinem Tode 1851 übernahm seine Tochter, die verwitwete Frau Maria Burckhardt-Vischer, den Wildenstein, denn ihr Bruder Karl Vischer-Merian hatte auf das Erbe verzichtet. Um den Plantabau gänzlich zu ihrer Verfügung zu haben, liess sie für den Rebmann zwischen Nordturm und Eingangstor 1853 ein Wohnhaus errichten, den Eckturm des Plantabaus und den Nordturm von Christoph Riggenbach in neugotischem Stile umbauen und anstelle der Reben einen grossen Schlosspark anlegen. Nach ihrem Tode 1871 entschloss sich Karl Vischer-Merian dennoch zur Übernahme des Wildensteins. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte unter Karl Vischer-Von der Mühll ein grösserer Umbau des Schlosses nach Plänen des Architekten Fritz Stehlin aus Basel in den Jahren 1902-1904, wodurch es das heutige Aussehen erhielt. Von 1922 bis 1947 befand sich das Schloss im Besitz von Peter Vischer-Burckhardt. Von 1947 – 1984 war der Wildenstein im Besitz von Peter Vischer-Milner-Gibson, der darin seinen Wohnsitz einrichtete. 1984 – 1990 befand sich das Schloss im Besitze von Antony Peter Vischer-Carlin. Am 15. Januar 1990 starb der am Schloss nutzniessungsberechtigte Peter Vischer-Milner-Gibson. 1991 – 1994 hielt die Basellandschaftliche Kantonalbank Schloss Wildenstein treuhänderisch für den Kanton Basel-Landschaft. 1995 erwarb der Kanton Basel-Landschaft von seinen Nachkommen den Wildenstein mit Umschwung von 1,15 km2.
In der Nähe liegt der historisch bekannte Rappenacker, so benannt nach dem von 1591 bis 1594 dauernden Rappenkrieg zwischen der Stadt Basel und der Landbevölkerung. Hier gelang es dem Basler Hauptmann Andreas Ryff (1550-1603), den Konflikt durch Verhandlungen beizulegen und ein Blutvergiessen zwischen den Basler Truppen und den aus der ganzen Basler Landschaft herbeigeströmten Aufständischen zu verhindern.
Typologisch gehört Wildenstein zu jenen Burganlagen, die nur aus einem Wohn- und Wehrturm bestehen und nicht aus den beiden Baukörpern Bergfried (Wehrturm) und Palas (Wohnbau). Rein optisch wirken allerdings Wohnturm und Plantabau wie Bergfried und Palas. Erstaunlicherweise blieb der Wohnturm nach dem Verlust der Wehrfunktion im 15. und der Wohnfunktion im 17. Jahrhundert weiterhin stehen und geriet nicht wie andernorts in Zerfall. Erbaut am Ende des 13. Jahrhunderts, steht er am Ende einer Entwicklung und eines wahren Burgenbooms, vergleichbar mit Reichenstein und Rotberg oder den Wohntürmen der Burgen Pfeffingen und Neu-Homberg. Vermutlich besass er ursprünglich einen Zinnenabschluss mit Pultdach.Das um 1693 zu reinen Wohnzwecken erbaute Plantahaus setzt neben den vertikalen Wohnturm einen horizontalen Akzent. Seine Aussenarchitektur mit den gewändelosen Türen und Fenstern nahm vermutlich Bezug auf Vorgängerbauten und könnte auch auf bündnerischen Einfluss hinweisen. In einem eklatanten Kontrast dazu steht die dekorative Bemalung der Decken und Wände, die zur späteren Funktion als Basler Landsitz nicht passten und übertüncht wurden. Unüblich für unsere Region sind auch die Kassettendecken, die auf italienischen Einfluss weisen, während die Enfilade im 1. Stock als erste Enfilade der Region überhaupt französischen Einfluss verrät. Eine Aufwertung erfuhr die Anlage zweifellos durch die Veränderungen im 19./20. Jahrhundert im Stile der Schlossromantik mit dem Bau neuer Türme, welche die Silhouette eindrücklich bereichern. Auf Wildenstein begegnen wir somit der Rodungsburg, dem adligen Wohnturm des Mittelalters, der Entwicklung zum Schloss und Basler Landsitz mit dem Plantabau und der der Schlossromantik der Jahrhundertwende. Die Burganlage und der Landwirtschaftsbetrieb sind umgeben von einer wertvollen ausgedehnten Kulturlandschaft mit Eichenhain (Witwald), Schlossweiher und markanten Feldgehölzen und Hecken. Schloss und Schlossgut bilden somit eine in sich geschlossene Einheit.
Quelle: Homepage Kanton Baselland
Sagen im Fünflibertal
Damit die Sagen im Fünflibertal nicht ganz in Vergessenheit geraten, können Sie hier einige der bekanntesten Sagen nachlesen.
