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Fünflibertal-Tourismus

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Geschichte


Ziefen, ein ehemaliges Posamenter- und Bauerndorf, liegt an Bach- und Durchgangstrasse in geschützter Talweite. Es ist die Letzte Rebbauerngemeinde im hinteren Kantonsteil. Der Ortsname, der 1226 als Civenne erstmals in einer Urkunde erwähnt wird, ist möglicherweise von gallorömischer Herkunft. Je eine römische Niederlassung auf dem Ebnet und im Steinenbühl gelten als sicher. Auf dem Kilchberg, wo heute die Kirche steht (1302 erstmals erwähnt), erhob sich im 14. Jahrhundert eine Burg, die von einem Zweig der Eptinger mit dem Zunamen Zivenner bewohnt wurde. 1400 kam Ziefen mit dem Amt Waldenburg an die Stadt Basel. 1565 wütete die Pest in Ziefen und 211 Menschen schieden dahin. Bis 1798 gehörte Ziefen zum Waldenburger Amt und wechselte danach zum Bezirk Liestal. Zur Blütezeit der Posamenterei um 1880 standen in Ziefen nicht weniger als 244 Webstühle im Einsatz. das Tal der Hinteren Frenke wird im Volksmund Fünflibertal genannt, was auf die wirtschaftliche Abhängigkeit der Basler Seidenherren hin deutet. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kannte Ziefen keine grossen Bautätigkeiten. Erst nach dem zweiten Weltkrieg entstanden neue Wohngebiete und am Dorfeingang siedelten sich einige Gewerbe und Industriebauten an.

Ziefen ist ein Bach-Strasse-Zeilendorf und seit einiger Zeit im nationalen Inventar der geschützten Dorfkerne aufgenommen.

Lisette Waldner (s’Diegmatt – Lisettli, 1903-2000) war die letzte Baselbieter Heimposamenterin und wob bis 1986 Bändel auf Ihrem Webstuhl. Jetzt steht er im Landesmuseum in Prangins/VD.

Ziefen, auf Mundart „Ziife“ liegt auf 428 m.ü.M und ist das mittlere Dorf im Tal. Ziefen gehört ebenfalls zum Bezirk Liestal. 2007 hatte Ziefen 1500 Einwohner.

Wappen:

Seit 1943. Ein liegender schwarzer Adler mit goldenen Fängen und goldenem Schnabel auf silbernem Grund. Es ist das Wappen der Eptinger von Ziefen, wie es auf einer Glasscheibe von 1583 zu sehen ist. Flagge: weiss-schwarz.

Quelle: Homepage Ziefen




Konterbandwägli

Salzschmuggel zwischen Seewen (SO) und Ziefen (BL), Fünflibertal

Soldatensteuer, Salzmonopol und Willkür der Landvögte führte vor über 350 Jahren zum Aufstand der Bauern und Landbevölkerung. 1653 beendete die Basler Obrigkeit den Bauernaufstand blutig. Sieben Bauernführer wurden vor den Toren Basels hingerichtet und weitere drei Führer wurden lebenslang auf venezianischen Galeeren verbannt. Was war einer der Gründe, dass es zum Bauernaufstand kam? Basel hatte damals das Salzmonopol inne und alle waren abhängig von der Stadt und darunter leidete vor allem die damals arme Bauern- und Landbevölkerung. Selbst wenn sie das Salz nach Basel holen gingen, mussten sie viel mehr bezahlen als die Stadtbevölkerung.
Das Salz war früher sehr wichtig für das konservieren der Lebensmittel. Die Bauern suchten andere Möglichkeiten um günstiger zum Salz zu kommen. So entstand das „Konterbandwägli“ zwischen Seewen und Ziefen. Das Salz kam von Lothringen via Kanton Solothurn und Seewen nach Ziefen. Dieser Schmuggelweg konnte natürlich nur bei Nacht und Nebel benutzt werden, denn wer erwischt wurde, konnte nicht gutes mehr erwarten. Dieser Salzschmuggel dauerte bis ins 19. Jahrhundert an. Erst als man in der Schweiz selber Salz abbaute, war es vorbei mit dem Salzmonopol und es war wieder für alle erschwinglich.

Ein Wegstück beim Sebenhag im Holzenberg nahe der Kantonsgrenze wird Heute noch das „Konterbandwägli“ genannt. La contrebande ist französisch und heisst Schleichhandel, zu Deutsch Schmuggel.

Der Salzschmuggel nach Ziefen im Fünflibertal ist schon längst beendet, was geblieben ist, ist der Flurname „Konterbandwägli“ und zeugt von den früheren Nöten der Landbevölkerung.


Posamentergedicht

Ruedi Rächer, ein alter Posamenter, hat in seinem Gedicht "Posamänter Läbe" die Erinnerung an das trotz seiner Mängel heimelige Gewerbe festgehalten:

Quelle: Heimatkunde Ziefen
„Oh, das isch ä heerlig Läbe.
sones Posamänterläbe.
Chum isch men us de Windle gschloffe,
wird me scho vom Unglück troffe.
Bueb, du muesch ans Spüelirad,
an d’Windmaschine und s’Abfahrrad.
Muesch Syde winde und Spüeli mache,
chasch di nit vill lustig mache.
Isch er nit flissig, flingg und gschickt,
wird ihm gly eis um d’Ohre zwickt.
Isch er es bitzeli elter worde,
oh, do het er s’Glück erworbe.
Er isch im Bruef scho wyter cho,
doch s’Schicksal het en nit lo goh.
Schiffli stosse vo früeh bis spot,
dr Stuhel kei Augeblick meh stoht.
Er mues sy allwyl uf der Wacht,
dass er jo kei Fehler macht.
Wird settigs vo de Heere gfunde,
isch gly e Stück vom Lohn verschwunde;
s’heisst: „So vill Abzug häi mer gmacht,
will der fehlerhaft häit gschafft!“
Und der Lohn isch scho nit gross,
er längt eim jo zum läbe bloss.
Und will ein öppis no erhuuse,
darf ihn s’Schaffe gwüs nit gruuse.
Er mues si plooge Tag und Nacht,
und z’letscht isch doch nüt zämme brocht.
Und gohts z’letscht no em alter zue,
so hett er währli no kei Rue.
Do mues er wider, s’isch zum Lache,
winde, zettle, Spüeli mache.
S’got wider ganz vo vornen aa,
du arme Posamäntermaa!
Und wenn de fascht nüt meh chönsch gseh,
so heissts, „muesch halt e Brülle neh!“
So gohts denn non e Zytlang scho,
s’Schicksal loht en halt nit goh.
Ich chönnt ech do no vill verzelle
Vo so arme Posamänter-Gselle.
Doch i wills bi däm lo blybe,
i chönnt ech süscht vom Handwärk trybe.
Das wett i denn doch au nit ha,
bi eben au sone Posamäntermaa!“
Schriftdeutsche Version:

„Oh, das ist ein herrliches Leben,
so ein Posamenterleben.
Kaum ist man aus den Windeln geschlüpft,
wird man schon vom Unglück getroffen.
Junge, du musst ans Spulenrad, an die Windmaschine
und an das Abfahrrad. Du musst Seide
winden und Spulen machen, du kannst dich
nicht gross lustig machen. Ist er nicht
fleissig, flink und geschickt, wird ihm
gleich eines um die Ohren gezwickt.
Ist er ein wenig älter geworden, oh da
hat er das Glück erworben. Er ist
im Beruf schon weiter gekommen,
doch das Schicksal lies ihn nicht gehen.
Schiffchen stossen von früh bis spät,
der Stuhl keinen Augeblick mehr steht.
Er muss alle weil auf der Hut sein, dass
er ja keinen Fehler macht. Wird solches
von den „Herren“ gefunden, ist gleich ein
Stück vom Lohn verschwunden. Es heisst: „So
viel Abzug haben wir gemacht, weil ihr
fehlerhaft habt gearbeitet“. Und der Lohn
ist schon nicht gross, es reicht einem
gerade zu leben bloss. Und will noch
einer etwas erreichen, dann darf ihn das
Arbeiten wahrlich nicht grausen. Er muss
sich plagen Tag und Nacht, und zuletzt
kam dann doch nichts zusammen. Und geht es
zuletzt dem Alter entgegen, so hat er
wahrlich immer noch keine Ruhe. Da muss
er wieder, es ist zum lachen, winden,
zetteln, Spulen machen. Es fängt wieder
von ganz vorne an, du armer Posamentermann.
Und wenn du fast nichts mehr sehen kannst,
so heisst es, „Du musst halt eine Brille
nehmen!“ So geht es dann eine Zeitlang
schon, das Schicksal lässt ihn halt nicht
gehen. Ich könnte euch da noch vieles
erzählen von so armen Posamentergesellen.
Doch ich möchte es bei diesem belassen,
ich könnte euch sonst von diesem Handwerk
vertreiben. Das möchte ich dann doch auch
nicht, bin eben auch so ein Posamentermann!“


Sagen

Ein Wiedergänger?
Meine Mutter wurde einmal beim Bohnenpflücken unten im Tal von einem heftigen Gewitter überrascht. Sie rannte ins Dorf zurück. Unterwegs gesellte sich der Romi (Hieronymus T.) zu ihr. Selbander gingen sie ein Stück Weges; kurz vor dem Dorf aber verschwand der Begleiter plötzlich. Erst in diesem Augenblick wurde es der Mutter bewusst, dass dieser Romi ja schon gestorben war. Am Morgen darauf erwachte sie mit einer geschwollenen Backe auf der rechten Seite.


Vom Stutzanneli
Am Stutz, wo die Banngrenze Arboldswil und Ziefen scheidet, konnten noch am Ende des 19. Jahrhunderts Sonntagskinder in mondhellen Nächten ein Hirtenmädchen mit einem Strohhut erblicken, das suchend den steilen Hang auf- und niederstieg. Es handelte sich um ein Mädchen, das einst in diesem Gebiet Schafe hütete, eines durch Sturz von einem Felsen verlor und aus Angst vor der Strafe sich ein Leid antat. Seither muss es umgehen und das Schaf suchen.


An’s falsch Stutzanneli grote (An das falsche Stutzanneli geraten)
An einem Samstagabend war ich in Arboldswil in der Wirtschaft. Tischgenossen erzählten vom Stutzanneli. Ich mischte mich auch ins Gespräch und sagte, ich fürchte mich vor keinem Gespenst. Alle lachten laut heraus und meinten, ich würde heute Abend vor dem Stutzanneli fort springen. Als ich durch den Stutz heimging, sah ich plötzlich eine weisse Gestalt auftauchen. Unerschrocken rief ich: „wär do?“ Keine Antwort. Ich wiederholte dies einige Male. Immer noch keine Antwort. Nun geriet ich in Wut und schlug mit dem Stock auf das Gespenst ein. Jetzt aber antwortete es – es war ein Kamerad – und bat mich erbärmlich aufzuhören. Noch viele Wochen nachher sah man auf seinem Kopf und Gesicht „blaue Mösen“.


Begegnung im Chrüzholz
Der Chare-Willi sammelte mit anderen Knaben im Chrüzholz dürres Holz. Als sie schon einen schönen Haufen zusammengetragen hatten, kam von der Rebholde her ein Mann. Er war wie ein Schlossherr angezogen. Er schritt schnurstracks auf Chare-Willi zu, öffnete ihm den Kittel, schlug ihm heftig auf die Brust und sagte: „Feschte Stamm!“ Dann marschierte er weiter und verschwand. Die Knaben eilten nach Hause und wollten eine Zeitlang nicht mehr ins Chrüzholz.


D’Holzebärggeiss (Die Holzenberggeiss)
1)Die Ziefner und die Seewnener stritten einmal miteinander über den Verlauf der Grenze im Waldgebiet des Holzenberges. Schliesslich konnten sie sich einigen. Sie legten die Marksteine bereit und bestimmten, dass diese am anderen Tag an den betreffenden Stellen gesetzt werden sollen. Über Nacht aber trugen einige Seewenerburschen die Steine auf Ziefnerboden hinüber. Am nächsten Tag merkten die Ziefner den Betrug und machten ihre Nachbarn darauf aufmerksam. Diese liessen aber die Vorhaltungen nicht gelten. Ein Behördemitglied – einige sagen, es sei der Ammann, andere, es sei ein Gscheidsmann gewesen – beteuerte die Unanfechtbarkeit der Grenze, in dem er ausrief: „Wenn es nicht wahr ist, so will ich zu einer Geiss werden!“ Der Seewener musste wirklich nach seinem tode als eine Ziege umhergehen. So oft sich die Geiss in ihrem roten „Lybli“ (Leibchen) zeigt oder ihr Meckern hören lässt, gibt es Regenwetter.

2) Wo der Holzenberg dicht mit dem schönsten Holze bewachsen ist, soll zu oberst, nicht weit von der Stelle, wo die Hochwacht stand, ein grosser Stein den Ort bezeichnen, wo die Holzenburg gestanden habe. In frühen Jahren wurde viel von der Holzenberggeiss gesprochen. Jedes Mal wenn man sie in schwülen Nächten meckern hörte, habe das Wetter umgeschlagen und sei windig und regnerisch geworden. Aus welchen Gründen diese Geiss in der Gegend der Holzenburg umhergehen müsse, kann nicht gesagt werden.


Vom Rybihund
1) Vor vielen Jahren stand anstelle der alten Post eine Hanf- und Flachsreibe. Daher heisst das kurze Wegstück zwischen der Poschtbrugg und der Chatzebrugg das Rybigärtli. Die Fortsetzung dieses Weges auf der rechten Bachseite bis zur Mühlibrugg trägt den Namen Chatzetal. Wo jetzt die Säge steht, war ebenfalls eine Reibe. Von hier läuft oft zu später Nachstunde ein zottiger Hund mit grossen Augen durch das Chatzetal hinunter in das Rybigärtli. Ein neugieriger knecht lauerte einmal dem Rybihund auf und folgte ihm bis zum Rybigärtli. Dort erhielt er plötzlich einen tüchtigen Schlag, und am nächsten Tage war sein Kopf stark geschwollen.

2) Auf dem Wege vom Rybigärtli zum Wälchen hinunter dem Pfarrhaus wurde vor nicht langer Zeit der Rybihund, ein schwarzes Tier mit glühenden Augen, von einem Angehörigen der Pfarrfamilie Alder ebenfalls wahrgenommen.

3) Ich schlief schon, als mich mein Freund Heiri weckte und mich bat, ihm zu helfen, einige Bändelkisten auf einem Karren zum Bott zu transportieren. Es ging schon gegen Mitternacht, und es war heller Mondschein. Heiri war froh, dass ich mitkam; denn er war ein ängstlicher Bursche. Beim Bott luden wir unsere Kisten auf den Bottenwagen um, der um Mitternacht talwärts fuhr, um am folgenden Morgen in Basel zu sein. Auf dem Heimweg sah ich bei der Chatzebrugg, wie aus dem Häuserschatten ein grosser schwarzer Hund über die Brücke und einige Schritt vor uns die Strasse hinauf lief. Lautlos war sein Schritt, und sein Fell glänzte im Mondschein wie Seide. „Den Hund müssen wir fangen“, sagte ich zu meinem Freund, doch dieser hatte Angst und wollte lieber heimgehen. Ich liess Karren und Heiri stehen und folgte dem Hund durch das Nünigängli, dann den Fussweg hinab bis zur oberen Schmiede. Beim Schmidtengässli verschwand er plötzlich im Dunkeln, und ich sah ihn nicht mehr. In diesem Moment kam mir die Geschichte nicht mehr ganz geheuer vor!“ Heiri war mir nachgefolgt und bat in einem fort: „Karl, komm doch heim!“ Schliesslich dachte ich, es sei doch besser umzukehren, und wir gingen ins Bett.


Hunde im Viktergässli
Als einst ein Mann aus Seewen mit dem Vornamen Viktor oberhalb der Gass ermordet worden ist, sah man jeden Abend in der Dämmerung zwei Hunde das Schmidhübeli hinunter und über die alte Postbrücke ins Pfarrwäldli laufen, wo sie verschwanden. Damals hatte der Schmied einen Gesellen, der diesen Spuk auf die Spur gehen wollte. Er folgte den Hunden, bis sie verschwanden. Totenblass kam der Geselle zurück und sagte nicht, was er gesehen hatte. Er wurde immer schweigsamer und starb bald. Von da an sah man keine Hunde mehr, und es hiess, sie seinen vom Bann erlöst. Das Gässlein bei der alten Schmiede heisst seit dem Mordfall Viktergässli.


Jagdhund mit Ketten
Hinter dem Dorf hört man bei Wetteränderungen einen Jagdhund mit Ketten auf- und ablaufen, besonders wenn ein lauter Wind weht. Einmal ging einer der Sache nach, kehrte heim, legte sich ins Bett und starb.


Schwarzer Wagen
Beim Hof Banholz wurde zu verschiedenen Zeiten ein schwarzer Wagen gesehen. Nachher änderte gewöhnlich das Wetter.


Die gesperrte Strasse
1) Beim Weissbrunnen, in der Talenge oberhalb Ziefen, soll es früher nicht geheuer gewesen sein. Das erfuhren zwei Reigoldswiler Burschen, die in später Nacht von einem Tanzanlasse heimkehrten. Als die beiden an dieser Stelle vorbei kamen, konnten sie plötzlich nicht weiter gehen. Obwohl auf der Strasse anscheinend kein Hindernis vorhanden war, waren sie wie gelähmt. Zu Tode erschrocken, versuchten sie rückwärts gegen Ziefen zu gehen, und es gelang ihnen schliesslich auch. Im Dorfe krochen siein einen offen stehenden Schopf und verbrachten dort die Nacht, bis der Morgen graute. Nun machten sie sich von neuem auf den Heimweg. Und wirklich, jetzt konnten sie die unheimliche Stelle unbehelligt passieren.

2) Wo der Stockjokeb einisch znacht der Holzebärg ab heicho isch, isch über d’Stross e Chettene gspannt gsi. Er het welle dure und het eifach nit chönne. Derno isch er is Tal uf d’Landstross gange und het dört porbiert; aber es isch au nit gange. Schliesslig isch er zrugg, der Holzebärg uf, der Rain ab, übere Bach, in d’Cholmatt hindere und underem Fuchs dure äntlig hei. (Als der Stockjakob einmal in der Nacht den Holzenberg runter kam, war über die Strasse eine Kette gespannt. Er wollte dadurch, aber es ging einfach nicht. Danach ging er auf die Landstrasse und probierte es dort, aber es ging hier auch nicht. Schliesslich ging er zurück, den Holzenberg hinauf, den Rain ab, über den Bach in die Cholmatt hinein, unter dem Fuchs (Hof Fuchs) durch endlich nach Hause.)

3) Eine Schar Mädchen, die am Abend spazierten, konnten oberhalb der Lienibrugg plötzlich nicht mehr weiter. Desgleichen wurde an der Holzenbergstrasse eine Reihe Burschen durch eine unsichtbare Mauer im Weitergehen gehindert.


Ein geheimnisvolles Glöcklein
An einem schulfreien Nachmittag ging ich in die Beckenweid, um bei der Heuernte mitzuhelfen. Als ich durch den Wald unterhalb des Hofes schritt, hörte ich auf einmal ein Glöcklein läuten. Ich schaute mich um, sah aber nicht als den grünen Wald. Zweimal wiederholte sich das Läuten des unsichtbaren Glöckleins. Das war doch etwas fiel für mich, und ich lief dem Hof Beckenweid zu. Dort erzählte ich das Erlebnis, doch man tröstete mich: „Du hast sicher mit offenen Augen geträumt“.


Der Feuersprecher
„1758 Donnertag, den 16. Mertzen ist ein grosse Fürsbrunst gewesen, zwei Hüser und zwo Scheunen verbrand. Das eind Haus und Scheuren ist im (dem) Bendel Hug und Hans Tomen gewesen und das ander im Hans Jogi Buser und Bendel Hug Sohn gewesen. Diese Hüser sind in einer Viertelstund in einem Für gewesen, das man nicht habe können darvon bringen. Das bezeug ich, Heiri Tschopp in Zifen“. So steht es auf dem Deckelbrett einer alten Bibel eingetragen, die in Ziefen aufbewahrt wird. An diese Feuerbrunst knüpft sich folgende Überlieferung: Während des Brandes holte man in Liestal einen Feuersprecher. Dieser ritt auf einem Schimmel zur Brandstätte. Dort legte er an allen vier Ecken des brennenden Häuserblockes je ein weisses Blatt Papier nieder. Alsdann sprach er seinen Bannspruch, worauf die Flammen gerade auf gen Himmel schlugen und kein weiteres Gebäude mehr ergriffen. Von da an währte es 101 Jahre, bis Ziefen wieder von einem Brande heimgesucht wurde.


Der grau Fritzehans
Wenn die Ziefnermannen früher in der Coiffeurstube auf der langen Bank beieinander sassen oder wenn sie zur Winterzeit im Walde gmeinwerkten und beim Zobennehmen um das Feuer sassen, kamen sie etwa auf den grauen Fritz zu sprechen. Man kannte ihn nur vom Hörensagen. Wann er gelebt hat, wusste nicht einmal der alte Schnyderpeter, der doch 96 Jahre alt geworden war. Dieser graue Fritenhans war ein Seher oder Prophet. Er verkündete, dass einmal eine Zeit kommen werde, da die Wagen nicht mehr von Pferden gezogen , sondern aus eigener Kraft rauchend, mit glühigen Augen durch die Berge fahren würden, und man werde in Ziefen aus Paris singen hören. Sein Seherblick schaute aber noch anderes in der Zukunft:

Es git e Zyt, das gott erbarm,
Do chunnt der Rych und frisst der Arm,
do chunnt der Arm und frisst der Rych,
Derno hais allbeed glych.

(Es kommt eine Zeit, dass Gott erbarmt,
Da kommt der Reiche und frisst den Armen,
Da kommt der Arme und frisst den Reichen,
Danach haben alle beide gleich viel.)

Eine noch dunklere Prophezeiung lautet: Es wird eine Zeit kommen, da sich der Bauer nicht mehr wehrt „bym Chärne, erscht bim Spreuer, wenn nüt meh syg“.


Der Dublonengarten
Das Haus des Arztes von Ziefen, Dokterhuus genannt, steht im Dublonengarten. So hiess das Landstück, weil dort eine Menge Dublonen gefunden worden sind.


D’Feufbätzli-Gumpi
Eine tiefe Stelle der Hinteren Frenke im Oberdorf nennt man die „Feufbätzli-Gumpi“. Vor vielen Jahren wurde in der Nähe falsches Geld gemacht. Als die Fälschung entdeckt wurde, habe man das Geld dort in den Bach geworfen.


Der See von Ziefen
1) Als der Felsriegel bei Beuggen noch nicht von der Hinteren Frenke durchbrochen war, bildete die Talweite von Ziefen einen ansehnlichen See. Dann seien die ersten Ansiedler aus dem Elsass gekommen und hätten sich am Holzenberg niedergelassen und seine Abhänge gerodet. Das Kloster auf dem Holzenberg wird mit diesen Siedlern in Zusammenhang gebracht.

2) „Thommeten soll der älteste Teil des Dorfes sein. Diesen Namen will man ableiten von Damm-matte und damit die Sage einigermassen unterstützen, dieses ganze Tal sei vor alten Zeiten ein See gewesen und hier ein Landungsplatz, in der Nähe des Kirchberg-Schlössleins. Das Dorf hätte somit seinen Ursprung unmittelbar am Fusse des Kirchberges genommen und sich von da weiters ausgebreitet.“ Kohlmatt. „Hier, geht die Sage, soll ebenfalls ein Landungsplatz gewesen sein, als das ganze Tal noch ein See war. Ist Ebenfalls in tiefes Dunkel gehüllt; obgleich man sogar davon will Spuren gefunden haben“.


Vereitelter Kirchenbau
1) Als Platz für die Ziefner Kirche war die Chäppelen an der Westecke des Ziefner Rebberges ausgewählt worden. Unbekannte, einige sagen: Engel, brachten die Bausteine und das Bauholz an den heutigen Ort auf dem Chilchberg.

2) Weiter vorgesehene und dann vereitelte Plätze für den Kirchbau waren auf dem Bomberg oder auf dem Brunnmätteli hinter dem Pfarrhaus.

3) Eine andere Sage schreibt die Erbauung der Kirche auf dem Chilchberg dem Umstande zu, es habe dort in alten Zeiten eine Burg gestanden und man habe dann die verlassenen Mauern zum Bau der Kirche benützt.


Ein Blasius-Wunder
Auf Schloss Gutenfels lebten Rudolf von Schönau und Ursula von Ramstein in glücklicher, aber kinderlosen Ehe. Dies bekümmerte die Schlossfrau sehr; sie betete fleissig und suchte oft die benachbarte Kirche von Ziefen auf, wo die Reliquien und ein wunderträchtiges Bild des Hl.Blasius grosse Verehrung genossen. Als sie eines Abends wiederum in dieser Kirche für die Opfer des Rachefeldzuges nach dem Tode des Königs Albrecht (1308) und für ihr Anliegen betete, trat ein alter Invalide, Hans der Lahme genannt, ebenfalls ein. Er erkannte die andächtige, in ein Büssergewand gekleidete Edelfrau nicht und glaubte, sie sei arm und hungrig. Rasch nahm er aus seinem Bettelsack ein grosses Gerstenbrot und ein Stück Käse, teilte sie in zwei Hälften und reichte ihr die eine mit den Worten: „Gott und der Hl.Blasius geben dir, was dein Herz verlangt“. Hierauf entfernte er sich. Frau Ursula nahm dies als gutes Zeichen auf und kehrte freudig auf ihr Schloss zurück. Dort stellte sie die Gaben Hans des Lahmen in Silberschüsseln dem Schlossherrn und seinen Gästen als Nachtisch auf. Herr Rudolf wurde zuerst wegen dieser geringen Speise zornig; nachdem aber Frau Ursula ihr Erlebnis erzählt hatte, verwunderten sich alle. Nun verteilte sie Brot und Käse. Alle erblickten in der Bettlernahrung eine Verheissung. Die Anwesenden hoben das Empfangene Stücklein Brot auf, um dieses, wenn der fromme Wunsch Hans des Lahmen durch St.Blasius wahr werde, wie eine heilige Reliquie in Ehren zu halten. Ihre Hoffnung wurde nicht enttäuscht: Frau Ursula schenkte ihrem Gatten eine wunderschöne Tochter und künftige Erbin. Hans den Lahmen liess man ins Schloss kommen, nährte und kleidete ihn bis an sein Lebensende. Die kleine Elisabeth genoss eine sorgfältige Erziehung. Sie wurde später die Gattin des Edlen Hartmann von Eptingen. Sie war bekannt als Wohltäterin der ganzen Gegend.


Das Nonnenkloster am Holzenberg
1) Der Ort, wo dieses Kloster einst gestanden hat, kann nicht mehr genau festgestellt werden. Die Flurnamen Nunhölzli, Hallgart, Gärtli und Wyssbrünnli weisen aber daraufhin, dass sein Standort am nordöstlichen Abhang des Holzenbergs gewesen sein muss. Das Wyssbrünnli war am Steilhang zwischen der Holzenberg- und Talstrasse. Zwischen zwei grossen Pappeln befand sich ein eichener Brunntrog, in dem sich das klare und überaus gesunde Quellwasser ergoss. An diesem Ort will man in föhnigen Nächten die weissgekleideten Nonnen gesehen haben, die sich hier wuschen, und ein Klosterknecht habe seine Rosse getränkt. Unterirdische Gänge sollen das Kloster mit dem Schloss Gutenfels und dem Pfarrhaus in Bubendorf, das einst ein Mönchskloster war, verbunden haben.

2) Ein alter Ziefner erzählte, er habe vor langen Jahren einmal im Nunhölzli Garbenbänder gesucht (Band gehauen) und sei auf einem Platz gekommen, wo prächtige Nelken, Levkojen, weisse und rote Rosen und auch Schnittlauch angetroffen habe. Er habe einen Blumenstrauss mit nach Hause genommen. Später konnte er den Platz nicht mehr finden, weil unterdessen diese Zierpflanzen ausgegraben und in die Gärten des Dorfes verpflanzt worden waren. Man nahm an, die später überwachsene Stelle im Nunhölzli habe früher zum Klostergarten gehört.


Das Kloster auf dem Ebnet
Daniel Bruckner berichtet: „Auf denen Fruchtfeldern, auf Ebnet genannt, ist ein grosser Schutt Steine, die Einwohner nennen denselben die Heidenkapelle; nach genauer Betrachtung der Ziegelstücke haben wir befunden, dass ein römisches Gemäuer allhier müsse gestanden sein“. Die mündliche Überlieferung nannte als Siedlung ein Kloster oder eine Burg. Ein unterirdischer Gang soll die beiden Klostersiedlungen Holzenberg und Ebnet verbunden haben.


Ein Kloster auf Bloond
Johannes Rippas erzählt von einem Kloster oder einer Einsiedlerhütte auf der Bloondmatt. Er vermutete diese Ansiedlung in der Nähe der ergiebigen Quelle, deren gesundes Wasser gerühmt wurde.


Die alte Hellebarde
Auf dem Estrich der Ziefner Kirche wurde lange Zeit eine alte Hellebarde aufbewahrt. Diese stammte nach der Überlieferung aus der Schlacht bei St.Jakob an der Birs. Einer aus dem Geschlechte der Spiess diente damals bei Henman Sevogel als Knappe. Während zehn andere Ziefner und ein Arboldswiler tot auf dem Schlachtfeld blieben, kehrte Spiess wieder heim. Als Anerkennung für seine Dienste wurde er nachher mit dem Amte des Sigrists betraut. Die Hellebarde aber wurde von einem unrühmlichen Nachfahren vor einem Jahrhundert um wenig Geld einem Trödler verkauft.


Das Sigristengut in Ziefen
Im Jahre 1534 übergab der Pfarrer Leonhard Strübin den Chilchberg dem Lienhard Spiess als Erblehen. Während Jahrhunderten blieben Sigristenamt und –gut in den Händen der Familie Spiess. Erst 1881 wurde das Land veräussert, nachdem der letzte Spiess bis 1873 als Sigrist geamtet hatte. Das Sigristenhaus mit seinem Garten steht noch heute als einziges seiner Art im Besitz des Kirchen- und Schulguts von Baselland. Ein Verwandter des in der Schlacht bei St.Jakob gefallenen Führers der Baselbieter, Henman Sevogel, soll das Erblehen gestiftet haben. An die Sevogel, die im 15. Jahrhundert Schloss Wildenstein besassen, erinnert ein Landstück im Ziefner Rebberg, ebenso der Flurname „Tiergarten“ (nördlich des Chilchbergs), wo die Wildensteiner Herren ein Wildgehege unterhielten. Der Familienname Spiess soll auf einen Angehörigen zurückgehen, der unter Henman Sevogel Spiessträger war.


Der Reichtum des Hofes Beckenweid
1) Hans Jakob Recher, der Erbauer eines Posamenterhöflein in der Beckenweid, geriet nach den Napoleonischen Kriegen in grosse Bedrängnis. In seiner Not wandte er sich an seinen Bruder Heinrich, den Bäcker in Ziefen. Dieser erklärte ihm, er sei nicht imstande, ihm zu helfen, schenkte ihm aber einen jungen Kirschbaum mit den Worten: „Der wird dir Glück bringen“. Der so beschenkte kehrte auf sei Höflein zurück und setzte das Bäumchen in unmittelbarer Nähe des Hauses in eine kleine Mulde. Beim Ausheben des Pflanzloches stiess er auf eine gefüllte Geldkassette, wurde ein reicher Mann, und aus dem Höflein wurde ein stattlicher Bauernhof.

2) Beim Rückzug aus Russland wollte eine französische Trainabteilung über das Reigoldswilertal ins Birstal und zurück nach Frankreich. In der Beuggen verfehlten die Franzosen den Weg nach Ziefen und gerieten nachts auf den Karrenweg nach Arboldswil. Dabei fiel eine Kriegskasse auf den holprigen Weg von einem Wagen. Durch den nächtlichen Lärm aufmerksam gemacht, sahen die Bewohner der Beckenweid tags darauf nach und fanden eine eisenbeschlagene Kasse voller Goldstücke. Sie verhielten sich still und vergruben den Schatz, um ihn später zu heben.


Ein Ziefner in der grossen Armee Napoleons
Der zweitletzte Kuhhirt von Ziefen hiess Heini Gätteli und war ein Heimatloser. Von ihm wird gesagt, dass die vielen Jahre, während denen er zu Ziefen Hirt war, zusammengezählt sieben Jahre Sonntag ergeben hätten. An die grosse Armee, mit welcher Napoleon I. nach Russland zog, hatte die Schweiz 18'000 Mann zu stellen. Die Regierungen verteilten die zu stellende Mannschaft auf die Orte. Ziefen hatte einen Mann zu stellen, aber woher nehmen? Freiwillig wollte niemand gehen, und durchs Los entscheiden wollten die vornehmen Bürger nicht. So kam der Gemeinderat auf den Einfall, durch grosse Versprechungen und Wein den Gätteli ins Garn zu locken. Wie er „ja“ gesagt hatte, wurde er nicht mehr aus den Augen gelassen und, mit etwas Geld versehen, 1812 zu der grossen Armee abgeliefert. Er kam nach Moskau und wieder zurück an die Beresina, wo er durch Hunger und Kälte den Tod fand.


Der grobe Schmied
Zur Zeit der Napoleonkriege wurde an einem kalten Winterabend eine Schwadron ungarischer Husaren in Ziefen einquartiert. Es waren prächtige Burschen von verwegenem, abenteuerlichem Aussehen. Der Rittmeister liess sofort den Ortsvorsteher hohlen und teilte ihm seine Wünsche für die Unterbringung der Truppe mit. Als alles geregelt war, stellte der Rittmeister noch die merkwürdige Frage: „Wer ist der gröbste Man in eurem Dorf?“ Der Gemeindepräsident stutzte zuerst und meinte dann: „Gross höflich sind wir in Ziefen gerade alle nicht, aber es mag der Schmied sein, der nicht allein bei uns, sondern in der ganzen Talschaft als ein weidlich grober Gevatter gilt“. Der Rittmeister notierte sich sofort den Namen des Dorfschmieds und liess sich dessen Haus beschreiben. Dann empfahl er sich mit leutseligem Gruss. Nach fünf Minuten ritt an der Hofstatt des Schmiedmeisters ein schmucker Husar vor, sass ab und führte, ohne ein Sterbenswörtlein zu sprechen, sein Ross in die Wohnstube hinein. Darauf machte er sich an die kunstvoll eingelegte Kommode, zog die oberste Schublade heraus, warf den Inhalt kurzerhand zum Fenster hinaus und schüttete stattdessen den Hafer in die Schublade. Nun war das Pferd besorgt, und nach guter Reiterart durfte jetzt auch der Husar an sein leibliches wohl denken. Er forderte, so grob er konnte, ein kräftiges Nachtessen. Jetzt aber kam’s. Plötzlich fühlte er sich von hinten durch zwei starke Arme gepackt. Es war der riesenhafte Schmied, der mit einem einzigen Kunstgriff die Hände des Soldaten band und ihn dann in den Stall führte. Wo sonst die Kuh stand, wurde der Husar am Hals angebunden und das Essen ihm in die Krippe aufgeschüttet. Wohl tobte und wetterte der Mann gräulich, aber der Schmied sprach kalt zu ruhig: „Ich habe mir gedacht, es wäre bei euch in Ungarn gebräuchlich, dass das Ross in die Stube und der Mann in den Stall kommt“. Der Rittmeister freute sich königlich, als dieser Husar, von langem her das Sorgenkind seiner Truppe, endlich seinen Meister gefunden hatte. Er liess ihn einen Tag lang im Stall stehen, den Kameraden und dem ganzen Dorf zum Gespött!


Verschobene Grenzlinie
1) Die Banngrenze zwischen Ziefen und Seewen SO bildet auf dem Gauset eine eigentümliche Zickzacklinie. Dieser Grenzverlauf hat folgende Ursache: Am Tage vor der Steinsetzung wurden alle Grenzsteine an Ort und Stelle gebracht. In der darauffolgenden Nacht führte ein Mann aus Seewen einen der Bannsteine mit Hilfe seines Schimmels hinweg an den Ort, wo er heute noch steht, nämlich diesseits der Seewner Rüttenen. Entgegen aller von der Ziefnerseite erhobenen Einsprachen wurde dann am nächsten Tag der Stein an dieser Stelle gesetzt. Zur Strade für seinen Grenzfrevel wurde der Seewner Mann nach seinem Tode zum Schimmelreiter verdammt.

2) Die Grenze am Gauset zwischen Ziefen und Seewen war umstritten. Die Vertreter der beiden Gemeinden traten zu Unterhandlungen zusammen und einigten sich über die Standorte der zu setzenden Steine. Diese wurden an Ort und Stelle verbracht. Nach diesem gütlichen Vergleich luden die Seewner die Ziefner zu einem gemeinsamen Trunke in einem Seewner Gasthause ein. Während nun dort die Grenzbereinigung gebührend gefeiert und dabei tapfer gezecht wurde, schafften einige Seewner die Steine von den vereinbarten Plätzen weg und verrückten so die Grenze gegen die ziefnerseite, wo die Steine nachher gesetzt wurden. Zu spät merkten die Ziefner, dass sie bei diesem Handel betrogen worden waren. Ihre nachträglichen Beschwerden hatten keinen erfolg mehr.


Der Räbholdebuur
Über dem sonnigen Abhang des Ziefner Rebberges erhebt sich die Waldkuppe der Rebholden. In stürmischen Nächten, wenn es durch die hohen Föhren dort oben „chuttet“, fährt der Räbholdebuur mit schwer beladenem Brückenwagen, der mit zwei Schimmeln bespannt ist, den Rebholdenweg entlang. Man hört seine Peitsche aber auch unten knallen. Er fährt mit seinen Rossen die Rebgasse hinunter bis ins Dorf, wo er sie in die Schwenke führt. Sein Peitschenknallen zeigt Regenwetter an. Die Erscheinung soll nur Sonntagskindern sichtbar sein. Er war zu seinen Lebzeiten ein böser und zanksüchtiger Mann gewesen und muss zur Strafe nach dem Tode „umgehen“. Es heisst auch von ihm, er sei ein Wucherer gewesen, der Witfrauen um Hab und Gut gebracht habe. Besonders hat er es auf die Fuhrleute abgesehen, dass ihm die Pferde am Rebholdenweg nicht weitergehen wollen oder dass er zu Fall kommt und unter den Rädern Schaden nimmt, wenn er die „Mechanik“ bedienen will. Von einer Stelle im Rebberg, dem Heissenstein, wo nur spärlich Gras wächst, sagt man, hier habe der Räbholdebuur mit einer silbernen Sense gemäht.


Quelle:
Aus dem Buch "Baselbieter Sagen" von Paul Suter und Eduard Strübin, Verlag des Kantons Basel-Landschaft.



Ziefner Auswanderer

Arbeitslosigkeit, schlechte Lebensbedingungen, teils aber auch Abenteuerlust, veranlassten immer wieder Dorfbewohner, auszuwandern, um in der Fremde eine neue Existenz aufzubauen. Agenten aus fernen Ländern, besonders aus Nordamerika, versprachen den Leuten gute Verdienstmöglichkeiten und konnten auf diese Weise viele zur Auswanderung bewegen. Am häufigsten waren die Auswanderungen im 18. Jahrhundert, bevor sich die Heimposamenterei in unserem Dorfe ausbreitete und besseren Verdienst brachte. Über die Schicksale der vielen Familien, die in der „Neuen Welt“ ihr Glück versuchten, ist nur wenig bekannt. Meistens kehrten die Auswanderer nie wieder in ihre Heimat zurück.

Hier einige bekannte Beispiele:
Am 26. Brachmonat (August) 1740 haben Samuel Tschopp und sein Sohn „allwo sy uff Pänsalvania In das neu land gezogen“ der Gemeinde eine ganze Anzahl Obstbäume an verschiedenen Orten gegen Bezahlung von 2 Pfund und 9 Batzen „zu ewigen Ziten überlassen“. 1803 wanderten 24 Personen aus.

Ältere Leute wissen zu erzählen, dass die Auswanderer mit Brückenwagen aus dem Dorf weggefahren seien. Die ganze Bevölkerung Habe dabei Abschied genommen. Der Männerchor sang Lieder. Der aus Ziefen ausgewanderte David Recher gründete 1890 in Chicago eine Weinhandelsfirma. Sein Unternehmen wird heute von seinen Nachkommen weitergeführt.
Im Jahre 1768 wanderte Hans Jakob Rippas mit seiner Familie nach Virginia (USA) aus, ohne Bewilligung der „Gnädigen Herren“ zu Basel und ohne die gesetzlichen Gebühren bezahlt zu haben. Weil er sich heimlich davon machte, wurde er aktenkundig. Ein Nachkomme, der heute in Texas lebende Jack Reppas (Rippas), fand unlängst in seinem Familienarchiv ein altes handgeschriebenes Notizblatt, das ihn nach fast 200 Jahren wieder zurück in seine alte Heimat wies. Er scheute keine Kosten, um seine Herkunft ausfindig zu machen. 1972 schrieb er an die heute in Ziefen lebende Familie Rippas. Dieses Beispiel zeigt, dass nach Generationen und über das „Grosse Wasser“ hinweg der Weg zurück in die Heimat der Väter gesucht wird.
Dass nicht nur ein vergilbter Zettel wegweisend sein kann, beweist eine Suppenkelle, die Peter Recher, seines Handwerks ein Schumacher, anno 1751 bei seiner Auswanderung als andenken nach Philadelphia mitgenommen hat. Diese silberne Suppenkelle wurde von seinen Nachkommen als Familienkostbarkeit von einer Generation zur anderen vererbt. Der älteste Stammhalter hütete sie jeweils, und sein Name wurde in die Kelle eingraviert. Der Sinn, welchen die Suppenkelle ursprünglich verkörperte, die Erinnerung an die Heimat, ging mit der Zeit verloren und es wusste auch niemand mehr, wo diese lag. Erst ein in Amerika lebender Auslandschweizer konnte Fred Recher darauf aufmerksam machen, dass dieser Familienname in Baselland vorkomme. Als militärische Dienste Major Recher in die nähe der Schweiz brachten, liess er es sich nicht nehmen, Nachforschungen an Ort und Stelle anzustellen. Er reiste nach Basel und wurde dort in unser Dorf gewiesen. Hier fand er nach über 200 Jahren seine Verwandtschaft und auch das Stammhaus seiner Familie. Diesen Tag nannte der Amerika-Recher einen der schönsten in seinem Leben, weil er ihm die Heimat seiner Väter gezeigt habe.
1923 fuhr Arnold Schad zusammen mit drei weiteren Ziefner nach Kanada, wo er auf verschiedenen Farmen tätig war. 1961 kehrte er nach 38 jährigem Auslandaufenthalt unangemeldet in sein Heimatdorf zurück, wo er heute seinen Lebensabend verbringt. Von den anderen Mitauswanderern fehlt jede Spur. In neuerer Zeit ziehen oft junge Leute nach beendigter Lehrzeit ins Ausland, um ihren Horizont zu erweitern, kehren aber nach relativ kurzer Zeit wieder zurück.

Auswandererlieder 19. Jahrhundert

Willst Du das Dienstbüchlein zerreisen
Und wandern nach Amerika?
Willst nicht mehr freier Schweizer heissen?
Ja, ja, das Land Amerika!
Dich reizen Kaliforniens Felder,
wo man das Gold im Flusse wäscht.
Fahr hin, fahr nach Amerika,
ich bleib im Land der Alpen, ja.
Fahr hin, fahr nach Amerika.
Ich bleib als freier Schweizer da.

Juhei, juhei, juheissassa,
wir wandern nach Amerika.
Der Wagen, der steht schon vor der Tür,
mit Weib und Kinder jetzt ziehen wir.
Und sind wir dann in Baltimore,
so strecken wir die Hände empor
und rufen laut Viktoria,
nun sind wir in Amerika.
Amerika, du schönes Land,
bist in der ganzen Welt bekannt.
Und rufen laut Viktoria,
nun sind wir in Amerika.

Quelle: Heimatkunde Ziefen


Ersterwähnung des Ortsnamen Ziefen

UrkundeErsterwähnung in einem Original (Urkunde):
Zwischen dem 25. Dezember 1225 und dem 24. Dezember 1226 bestätigte der Bischof dem Benediktinerkloster Schöntal bei Langenbruck den Besitz von Gütern und Rechten, die diesem übertragen worden waren. Die Besitzbestätigung wurde auf Bitten der Grafen Ludwig und Herrmann von Froburg ausgestellt, die sich als Kastvögte des Klosters um die weltlichen Belange der geistlichen Institution kümmerten. In der Aufzählung werden zwei Hufen im Dorf Ziefen erwähnt: In villa Ciuenne due hovbe.


Datierung: Am Ende der Urkunde ist allein das Jahr 1226 in römischer Form angegeben. Die Ausstellerin des Schriftstücks, die bischöfliche Kanzlei, datierte damals ihre Dokumente gemäss dem Weihnachtstil. Nach diesem Brauch begann ein neues Jahr jeweils mit dem Weihnachtstag. Die angeführte Urkunde ist somit zwischen Weihnachten 1225 und Weihnachten 1226 zu datieren. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wurde sie 1226 erstellt.

UrkundeSchrift: Die Bestätigung des Schöntaler Besitzers ist in der typischen Urkundenschrift der bischöflichen Kanzlei des frühen 13. Jahrhunderts ausgestellt. Im lateinischen Text fallen die vielen langen, schrägen Oberlängen auf, während die Unterlängen vergleichsweise kurz ausgeführt sind. Auch wird deutlich, dass i-Striche oder i-Punkte nicht regelmässig gesetzt wurden. Für Buchstaben u und v, die nicht klar unterschieden wurden, kommen spitze und runde Formen vor.

In dieser Quelle finden sich auch die Ersterwähnungen von Arboldswil, Hersberg, Itingen, Kilchberg, Lampenberg, Läufelfingen, Liestal, Muttenz, Sissach und Tenniken.


Urkunde Quelle: Solothurner Urkundenbuch
Standort: Staatsarchiv Basel-Stadt: Klosterarchiv, Urkunden Schöntal.








Ein alter Siegel mit dem Ziefneradler.


Der letzte Stuhlschreiner von Ziefen

Heinrich Tschopp – Hemmig („Dr’Schryner-Heiri“), geboren am 16. Juni 1872, gestorben am 6. September 1955, der letzte Webstuhlschreiner in Ziefen.

Mein Vater erlernte bei seinem Vater Johann Tschopp – Matt die Webstuhlschreinerei, die auch schon der Urgrossvater betrieben hat. Die Webstuhlschreinerei war ein vielseitiges Gewerbe. Neben dem Beruf als Schreiner musste man sich auch noch als Schlosser, Drechsler und Mechaniker betätigen. Mein Vater erstellte neue Webstühle, sowie die zum Posamenten gehörenden Hilfsgerüste, wie Windrad- oder maschine, Abfahrrad, Spulmaschine und Bandhaspel. Viel Zeit beanspruchten die Reparaturen der Webstühle die zum Teil in der Werkstatt oder in der Posamenterstube ausgeführt werden mussten. Ein Ereignis war es immer, wenn ein in der Werkstatt erstellter neuer Webstuhl auf einen Leiter- oder Brückenwagen verladen wurde, an den neuen Standort wieder aufgestellt und in Betrieb gesetzt werden musste. Mein Vater arbeitete nach der Lehre zeitweise in Oberdorf, Seltisberg und St.Louis (Elsass). Bevor im Jahre 1903 Ziefen an das elektrische Stromnetz angeschlossen war, mussten die damals vorhandenen Bandsäge, Fräsen und Bohrmaschinen von Hand betrieben werden.
Neben der Schreinerei führte mein Vater einen Schweinerei-Landwirtschaftsbetrieb. Da sich in der Seidenband-Industrie immer mehr ein Rückgang der Heimposamenterei bemerkbar machte, gab mein Vater während des zweiten Weltkrieges, sein mit grossem Interesse ausgeübten Beruf auf.

Ziefen, 28. IV. 71    Henri Tschopp


Ziegelhütte in Ziefen

Die „Gass“ hat durch den Abbruch des Nebengebäudes (Holz- und Wagenschopf) durch eine Luftschutztruppe im vergangenen Frühling „im Ansehen“ gewonnen. Dieses Nebengebäude hat übrigens eine recht interessante Geschichte, auf die wir kurz etwas näher eingehen möchten. Im Jahre 1874 stellte Karl Matt, Schreiner, ein Gesuch für die Errichtung einer Ziegelhütte. Ob er dabei ein bereits bestehendes Gebäude erweitern wollte oder ein neues bauen, geht aus den Akten nicht genau hervor. Zur Verwirklichung dieser Ziegelbrennerei bewilligte die Gemeindeversammlung: „Auf der Hell Letten zu graben, Steine zum Bauen und Steine zum Kalkbrennen“. Das benötigte Wasser wurde vermutlich dem damals noch offen geflossenen „Gassbächlein“ entnommen. Dieses Gewerbe hatte offenbar keinen langen Bestand, denn sein Nachfolger Hans Heinrich Tschopp (Stuhlschreiner) lies 1885 den Brennofen bereits wieder abbrechen. An dessen Stelle erstellte er eine „Dampfmaschine“ zum antreiben seiner Werkstatt-Einrichtungen. Tschopp baute ganze Webstühle von A – Z und hat auch sämtliche dazu nötigen Schlosserarbeiten selber ausgeführt. 1895 ging die Liegenschaft dann an den Posamenter- und Bauer Eduard Furler-Tschopp, den Grossvater des heutigen Besitzers Rudolf Furler-Schneider, über. 1902 wurde der elektrische Strom eingeführt.


Quelle: Zeitungsbericht von Franz Stohler 1973


Sonderbares: Ersatzwahl in die Fürsorgebehörde

Als Ersatz für den zurückgetretenen Pfarrer Philipp Alder kam keine Wahl zustande, da kein Wahlvorschlag vorlag. 46 Stimmzettel wurden leer eingelegt und 13 waren ungültig. Bei einer Stimmbeteiligung von 15 % erhielten nicht weniger als 19 Personen Stimmen zwischen 6 und 1.

Quelle: Zeitungsbericht von Franz Stohler 1973


Mehrere Webstühle im Haus

„Fritz Rudy, der Bannbruder und Gescheids, seiner Handierung ein Bauer und wohlgeschickter Bassamenter, der aus seinem Kopf neue Figuren ersinnen und ausstechen kann.

Heinrich Recher, der Älter, seiner Handierung ein wohlgeschickter und gar durchriebener Bassamenter. Und ein Bauer hat eine grosse Behausung zwoo Stuben aufeinander. In der oberen Stube hat der alte Heinrich 4 Webstühle Webstühle nebeneinander in einer Reihe stehen und in der unteren Stube hat der ältere Sohn Heinrich, seines Handwerks ein Beck und ein wohlgeschickter und gar durchriebener Bassamenter 3 grosse Webstühl mit vornehmer War nebeneinander stehen, ist wohlgeschickt, instruiert in seiner Bassamenterkunst.“

Quelle: Heimatkunde Ziefen,


Markus Lutz schreibt 1805

„Zyffen, ein grosses wohlgebautes DorfDorf Ziefen mit ohngefähr 160 Haushaltungen oder 686 Einwohnern, dessen Gemarkung an Grösse, Ertragenheit und Schönheit jener von Bubendorf nichts nachgiebt; dennoch ziehen aber letztere aus dem Seidenbandweben ihre hauptsächlichste und meiste Nahrung.“ Die weite Verbreitung der Heimwebstühle in Ziefen führte schon im Jahre 1902 zur Gründung der Elektra-Genossenschaft Ziefen; denn dadurch wurde die Arbeit erleichtert und die Bänder gerieten gleichmässiger. Dank der elektrischen Kraft konnten die Posamenter und PosamenterinnenPosamenterinnen ihr Einkommen verbessern. Folgende Angaben vermitteln uns den durchschnittlichen Tagesverdienst (Arbeitszeit 8 bis 18 Stunden) eines Heimposamenters im Jahr 1908, als noch hand- und elektrisch betriebene Webstühle zusammen „ihr munteres Lied klapperten“:

Handwebstuhl

mit Schlaglade „Schlagstuhl“ im Tag Fr. 3.47
mit einfacher Lade „Sägelade“ im Tag Fr. 3.43


Elektrisch betriebener Webstuhl

mit Schlaglade Fr. 4.30
mit einfacher Lade Fr. 3.68
mit Doppellade Fr. Fr. 4.29

Inbegriffen waren folgende Vorarbeiten: Seidenwinden, Zetteln, Aufmachen, Spulenabfahren, Spülimachen, Stuhlabmachen.

Quelle: Heimatkunde Ziefen


1970 noch 8 Webstühle im Einsatz

Im Jahre 1970 „liefen“ noch acht Heimwebstühle in Ziefen. Nachfolgend die Namen der letzten Posamenterinnen und Ihrer Auftraggeber:

Lisette WaldnerWaldner „Dygmatt-Lisett, 1903“, Lisette Tschopp „Joggeli-Joggis, 1890“ und Lydia Schlumpf „Moler-Färdis, 1899, arbeiteten im Auftrag von der Firma Sarasin-Thurneysen AG in Basel.

Margrith Koch, „Chochen-Albärts“, 1892“, Emma Rudin-Schad „Syrachen, im Chatzental, 1895 und Bertha Koch „Chochen-Emils“, in der Tummeten, 1888 arbeiteten im Auftrag von der Firma Scholer AG in Liestal.

Maria Tschopp „Zimmer-Fritze“, 1897 und Hulda Furler-Rudin „Chnöpfler-Heiris“, 1895 arbeiteten für die Firma Senn & Co in Basel.

Quelle: Heimatkunde Ziefen


Das Botenwesen

Die BotenBoten waren besondere Vertrauensleute und wurden von der Einwohnergemeinde gewählt. Sie transportierten die fertigen Seidenbänder nach Basel zu den Fabrikanten, den Seidenherren. Auf dem Rückweg brachten sie neue „Rechnungen“, das heisst Material, Zettel und Einschlag für neue Bänder, nebst dem Lohn. Dieser wurde dazumal in Silbergeld, namentlich in FünflibernFünflibern, ausbezahlt. Und weil in unserem Dorfe und in der ganzen Talschaft stark posamentet wurde, erhielt das Hintere Frenkental den Übernamen „Feuflibertal“. Ausser den Seidenwaren beförderten die Boten auch allerlei andere Güter, wie sie die Bewohner und Kaufläden benötigten, doch war dies von nebensächlicher Bedeutung. Vor der Beladung des Botenwagens nach Basel mussten sämtliche Kisten und Pakete gewogen werden. Die Taxe für den Transport bezahlte der Posamenter. Für die Ware von Basel zahlte der Fabrikant. Im Sommer fuhr man mit zwei Pferden, im Winter bei schlechten Strassenverhältnissen drei- oder vierspännig. Der Bote fuhr am Sonntagabend fort und kehrte am Dienstagmorgen zurück, in der gleichen Woche fuhr er wieder am Donnerstagabend fort und kehrte am Samstagmorgen zurück. Im „Botestübli“ im Gasthaus zum Engel, in Liestal, früher eine beliebte Haltestelle der Boten, hält ein Wandgemälde den alten Botenbetrieb fest. Der letzte Botenfuhrmann war Martin Recher „Botte-Marti“. Anfangs der zwanziger Jahre musste der Botenwagen dem Lastauto weichen.

Quelle: Heimatkunde Ziefen


Bandfabrik Senn & Co. AG

1945, unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, entstand im Untertal das grosse Shed-FabrikgebäudeShed-Fabrikgebäude für den Filialbetrieb der 1725 gegründeten Basler Seidenfabrik Senn & Co. AG. Vorher war die Bandfabrikation in der Gegend als Heimarbeit betrieben worden. Der schnelle Rückgang der Zahl überalterter Heimposamenter in jenen Jahren machte ersichtlich, dass eine langfristig gesicherte Produktion nicht mehr allein in Heimarbeit betrieben werden konnte. Damals setzte nämlich die Landflucht der jungen Generation ein. Aus diesem Grunde wurde in zwei Etappen ein Fabrikbau erstellt. Der Plan war so konzipiert, dass durch die Inbetriebnahme der Fabrikweberei in Ziefen keine Posamenter entlassen werden mussten, sondern dass die ausgeschiedenen Heimposamenter durch Fabrikweber ersetzt werden sowie Heimarbeiter aus dem Reigoldswilertal (Fünflibertal) weiterhin Arbeit in der Fabrik als Weber fanden. Die Gemeinde unterstützte die Ansiedlung dieser Industrie, indem sie Bauland zur Verfügung stellte und Steuerbegünstigung gewährte.
Die Fabrikation besteht im Wesentlichen in Sammetband, Seidenband, Kunstseidenband, Nylonband, Kranzband, Heilsarmeeband und Deckeneinfassband. Im Jahre 1968 betrug die Jahresproduktion 145'369 Einheiten. Der Maschinenpark besteht zurzeit aus 99 Webstühlen. Auf dem Lande laufen noch 23 Webstühle. Recht interessante Wandlungen hat der Personalbestand durchgemacht: 1945 waren 25 Leute, 1964 waren 98 Leute und 1970 69 Leute in der BandfabrikDorf Ziefen beschäftigt.

Der Höchststand setzte sich aus 22 Männern und 76 Frauen zusammen; nebst 54 einheimischen Arbeitskräften waren 44 Ausländer beschäftigt. Für die vielen ausländischen Arbeitskräfte (vorerst Österreicherinnen, danach Italienerinnen) wurden im Steinenbüel Wohnhäuser und der erste Wohnblock erstellt. Den heutigen Personalmangel suchte man durch Rationalisierung wettzumachen. Junge Leute lassen sich für den Weberberuf fast nicht mehr gewinnen. Betriebsleiter der Filiale war seit 1945 Werner Walther.

Quelle: Heimatkunde Ziefen


Dorfnamen

Um die vielen gleichnamigen Familien voneinander zu unterscheiden, sind schon seit sehr langer Zeit Dorfnamen gebräuchlich, die von Generation auf Generation vererbt wurden. Sie werden von den Dorfbewohnern im mündlichen Verkehr (früher auch in den Gemeindeakten) bis auf den heutigen Tag verwendet, denn sie sind als Volksgut fest in der Bevölkerung verwurzelt. Die Abwanderung junger Leute in neuerer Zeit und die Zuwanderung infolge reger Bautätigkeit hatten ihre Auswirkungen auf die Dorfnamen. Die neu ins Dorf Zugezogenen und auch die Kinder werden heute kaum mehr mit Dorfnamen benannt.
Wir wollen hier nicht auf die Entstehung und die Bedeutung der einzelnen Dorfnamen eingehen, sondern diese vielmehr als „Inventar“ aufnehmen. Die Vornamen werden fast durchwegs in der volkstümlichen Form und meistens mit der Endsilbe „i“ angewendet: Jakob – Joggi, Schaggi, Köbi, Jokeb, Joggeli; Felix – Feilix, Lix; Emil – Myl, Myli, Myggel; Karl – Kari, Karli; Albert – Albi, Bärt, Hermann – Männi; Erwin – Wyn, Wyni; Georg – Schorsch; David und Theophil – Fygg; Arthur – Turi; Eduard – Edi usf.
Jüngere und kleinere Leute werden vielfach in der Verkleinerungsform angeredet wie Pauli, Karli, Peterli. Die Hofbesitzer tragen meistens den Namen ihres Hofes: dr Luftmatt-Kari, dr Rosacher-Sämi, dr Cholmättler. Bewohner bestimmter Häuser werden nach ihrem Wohnort benannt: s Rank-Emili, s Dygmatt-Hanni, dr Dochele-Hugi, s Höfli-Nelly, dr Chilchberg-Frid, dr Hintermatt-Ärnscht, dr Hübel-Paul, s Bach-Bärti (am Dorfbach wohnend!). Ältere Ehefrauen und Witwen werden etwa mit den Endsilben „ne“ oder „ene“ nach dem Dorfnamen des Mannes benannt: d Spiesse-Hansjakobene, d Fritze-Hansene, d Schmid-Joggene.
Einzelene Handwerker und Amtsinhaber werden nach Ihrer Tätigkeit bezeichnet: dr Pfarrer, dr Poschthalter, dr Schuemacher, dr Tannewirt, d Hebamm, dr Gmeinipreesi. Durch Pensionierung oder Aufgabe einer Tätigkeit tritt oft die Bezeichnung „dr neu“ oder „dr alt“ auf.
Als Ziefner Besonderheit sei festgehalten: 1959 hiessen fünf Einwohner Fritz Rudin. Durch die Dorfnamen wurden sie wie folgt unterschieden: dr Syrache-Fritz, dr Acheele-Fritz, dr jung Acheele-Fritz, dr Rötle-Fritz und dr Theodore-Fritz. Der 1971 verstorbene „Buser-Hans“ hiess Hans Recher, ebenso sein Sohn. S „Peter-Hanse“ haben den Geschlechtsnamen Tschopp, der im normalen Sprachgebrauch aber im Dorf nie verwendet wird.

Die Dorfnamen kann man in folgende Gruppen einteilen:

Benennung nach den Vorfahren

Dorfname Wie man sie nannte Geschlechtsname
s Acheele (Achilles)
s Bänis (Benjamin)
s Buser-Hanse
s Chrischtes (Christian)
s Davyte (David)
s Emyle (Emil)
s Feilixe (Felix)
s Fritze-Hanse
s Gladis (Claude)
s Guschti-Hanse (August)
s Hortis (Hortensia)
s Joggeli-Joggis (Jakob)
s Jonatane (Jonathan)
s Kätterys (Katharina)
s Lixe (Felix)
s Manewele (Emanuel)
s Noldis (Arnold)
s Peter-Hanse
s Peter-Joggelis
s Ronis (Hieronymus)
s Syrache (Sirach)
s Thedore (Theodor)
s Vreni-Heiris
dr Acheele-Fritz, s Acheele-Marie
dr Bäni-Max, s Bäni-Hanni
dr Buser-Hans
dr Chrischte-Fritz, s Chrischte-Lyseli
dr Davyte-Max, s Davyte-Fridi
dr Emyle-Hans
dr Feilixe-Walti, s Feilixe-Marie
dr Fritze-Hans
dr Gladi-Willi
dr Guschti-Hans, s Guschte-Hanse Hedi
dr Horti-Karl, dr Horti-Peter
dr Joggeli-Walter, s Joggeli Alys
dr Jonatane-Fritz
dr Kätter-Ärnscht, s Kätterys-Rosmarie
dr Lixen-Ärnscht, s Lixe-Leys
dr Manuele-Bärni, s Manuelen-Elsi
dr Noldi-Peter, s Noldi-Hanse Theres
dr Peter-Walter, s Peter Fridi
dr Peter-Joggeli-Paul
dr Roni-Ärnscht
dr Syrache-Heiri
dr Thedore-Fritz
dr Vreni-Fritz, s Vreni-Elsbeth
Rudin
Tschopp
Recher
Aerni
Recher
Waldner
Stohler
Rudin
Rippas
Schlumpf
Schlumpf
Tschopp
Furler
Hertner
Schlumpf
Tschopp
Tschopp
Tschopp
Tschopp
Tschopp
Rudin
Rudin
Furler


Benennung nach Beruf, Handwerk

Namengebender Beruf und Dorfname Geschlechtsname Heutiger Beruf
Bauer
s Buri-Heiris
s Buri-Heiris Simon
s Buri-Heiris Ueli

Bäcker
s Choch-Becke
s Choch-Becken Andres
s Stohler-Becke
dr Becken-Ärnscht

Bote
s Bote-Martis, dr Bote Roland
s Bote-Luggis
dr Bote-Luggi Schorsch
s Bote-Heiris
dr Bote-Heiri Hans

Briefträger
dr Poscht-Schaggi
s Poscht-Schaggis Daniel

Förster
dr Förschter-Myl

Karrer
dr Charen-Ärnscht
dr Charen-Fritz

Käser
s Chesser-Albärts, dr Cheeser-Werner
s Cheeser-Ärnschte
s Cheeser-Ärnschte Hanspeter
s Cheeser-Hanse
s Cheeser-Hanse Hanspeter
s Cheeser-Karls, dr Cheeser-Karle Walti
s Cheeser-Ruedis

Knopfmacher
dr Chnöpfler-Heiri
dr Chnöpfler-Wyn

Mahler
s Moler-Ferdis Lyda

Maurer
s Muurer-Hanse
dr Muurer Paul
s Schad-Muurers

Sattler
s Sattler-Hanse
s Sattler-Hanse Toni
dr Sattler-Fritz

Schindelmacher
s Schindle-Riedis, s Schindle-Huldi

dr Schindle-Peter
dr Schindle-Karl

Schmied
s Schmid-Albärts
dr Schmid-Albärt Albi

s Schmid-Joggis
s Schmid-Sämis
dr Schmied-Sämi Max

Schneider
s Schnyder-Willis

Schreiner
s Schryner-Willis
dr Schryner-Heiri

Schuhmacher
dr Schuemacher-Ueli
dr Schuemacher-Heiri

Zimmermann
dr Zimmer-Joggeli Ärnscht
dr Zimmer-Köbi
s Zimmer-Joggis, dr Zimmer-Ärnscht
s Zimmer-Karls
s Zimmer-Hanse
dr Zimmer-Paul
dr Zimmer-Franz

Übrige Dorfnamen

S Chrusi-Emils (ein Vorfahre hatte krauses Haar)
dr Männer-Karl
s Stockfrids, dr Stockfriden-Otti
s Beugge-Myggels, dr Beugge-Max
s Bändel-Ärnschte, dr Bändel-Fredi

Tschopp
Tschopp
Tschopp


Recher
Recher
Stohler
Stohler


Recher
Tschopp
Tschopp
Tschopp
Tschopp


Tschopp
Tschopp


Tschopp


Tschopp
Tschopp


Recher
Recher
Recher
Recher
Recher
Recher
Recher


Furler
Furler


Schlumpf


Schlumpf
Schlumpf
Schad


Waldner
Waldner
Waldner


Schlumpf / Schweizer

Schweizer
Schlumpf


Müller
Müller

Müller
Henny
Henny


Hertner


Tschopp
Tschopp


Waldner
Tschopp


Hug
Hug
Hug
Hug
Hug
Hug
Hug



Zeller
Senn
Recher
Hemmig
Hug

Gärtner
Gärtner
Konditor


Krämer
Chauffeur
Bäcker u. Krämer
Bäcker


Landwirt
Posamenter
Automechaniker
Landwirt
Pfleger


Posamenter
Mechaniker


Uhrenmacher


Uhrenmacher
Mechaniker


Bauarbeiter
Fabrikarbeiter
Elektriker
Camioneur
Mechaniker
Landwirt/Milchabnehmer
Autogarage


Posamenter / Weibel
Uhrenmacher


Posamenterin


Bauarbeiter
Etampesmacher
-


Landwirt
Elektrotechniker
Schreiner


-

Autolackierer
Velohändler


Landwirt
Landwirt/Gemeindpräsident

Schmied, Landwirt
Schmied, Schlosserei
Gewerbelehrer


-


Schreiner
Autobus-Chauffeur


Postbeamter
Zeughausarbeiter


Landwirt
Zimmermann
Landwirt, Wegmacher
Zimmermann, Schreiner
Landwirt
Bauunternehmer
Maler


Die Dorfnamen wurden im Jahre 1959 durch Franz Stohler aufgenommen.


Die Krisenjahre

Die Entwicklung der Weltmarktverhältnisse und der Mode um 1920 stellte die Existenz der Seidenbandweberei in Frage. Auch unsere Heimposamenter wurden von der rasch zunehmenden Arbeitslosigkeit betroffen. Man musste ihnen neue Verdienstmöglichkeiten verschaffen. So führte man für die Frauen Hauswirtschaftliche Kurse durch, und die Männer fanden unter anderem bei Strassenkorrektonsarbeiten Beschäftigung. Eine Krisenkasse half zudem die aller schwersten Fälle zu lindern.

Unsere Übersicht über den Bestand der Seidenbandwebstühle seit 1754 zeigt die stetige Zunahme der Webstühle – aber auch der Bevölkerung – bis 1880. Die Motorisierung (1902 und folgende Jahre) erlaubte eine Verringerung der Stuhlzahl, doch traf es immer noch einen Webstuhl auf fünf Einwohner. Erstaunlich ist der rasche Niedergang (seit 1925) der einst blühenden Heimindustrie. Er spiegelt sich auch im Rückgang der Dorfbewohner bis zum zweiten Weltkrieg.

Jahr Stuhlzahl Einwohner Einwohner auf 1 Stuhl
1754
1786
1856
1880
1908
1941
1964
1970
1986
124
155
222
244
166
67
15
8
1
500
642
910
912
910
861
1027
1012
1200
4
4
5
4
5
13
67
126
1200