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Sagen Ziefen

Ein Wiedergänger?

Meine Mutter wurde einmal beim Bohnenpflücken unten im Tal von einem heftigen Gewitter überrascht. Sie rannte ins Dorf zurück. Unterwegs gesellte sich der Romi (Hieronymus T.) zu ihr. Selbander gingen sie ein Stück Weges; kurz vor dem Dorf aber verschwand der Begleiter plötzlich. Erst in diesem Augenblick wurde es der Mutter bewusst, dass dieser Romi ja schon gestorben war. Am Morgen darauf erwachte sie mit einer geschwollenen Backe auf der rechten Seite.

Vom Stutzanneli

Am Stutz, wo die Banngrenze Arboldswil und Ziefen scheidet, konnten noch am Ende des 19. Jahrhunderts Sonntagskinder in mondhellen Nächten ein Hirtenmädchen mit einem Strohhut erblicken, das suchend den steilen Hang auf- und niederstieg. Es handelte sich um ein Mädchen, das einst in diesem Gebiet Schafe hütete, eines durch Sturz von einem Felsen verlor und aus Angst vor der Strafe sich ein Leid antat. Seither muss es umgehen und das Schaf suchen.

An’s falsch Stutzanneli grote (An das falsche Stutzanneli geraten)

An einem Samstagabend war ich in Arboldswil in der Wirtschaft. Tischgenossen erzählten vom Stutzanneli. Ich mischte mich auch ins Gespräch und sagte, ich fürchte mich vor keinem Gespenst. Alle lachten laut heraus und meinten, ich würde heute Abend vor dem Stutzanneli fort springen. Als ich durch den Stutz heimging, sah ich plötzlich eine weisse Gestalt auftauchen. Unerschrocken rief ich: „wär do?“ Keine Antwort. Ich wiederholte dies einige Male. Immer noch keine Antwort. Nun geriet ich in Wut und schlug mit dem Stock auf das Gespenst ein. Jetzt aber antwortete es – es war ein Kamerad – und bat mich erbärmlich aufzuhören. Noch viele Wochen nachher sah man auf seinem Kopf und Gesicht „blaue Mösen“.

Begegnung im Chrüzholz

Der Chare-Willi sammelte mit anderen Knaben im Chrüzholz dürres Holz. Als sie schon einen schönen Haufen zusammengetragen hatten, kam von der Rebholde her ein Mann. Er war wie ein Schlossherr angezogen. Er schritt schnurstracks auf Chare-Willi zu, öffnete ihm den Kittel, schlug ihm heftig auf die Brust und sagte: „Feschte Stamm!“ Dann marschierte er weiter und verschwand. Die Knaben eilten nach Hause und wollten eine Zeitlang nicht mehr ins Chrüzholz.

D’Holzebärggeiss

1)
Die Ziefner und die Seewnener stritten einmal miteinander über den Verlauf der Grenze im Waldgebiet des Holzenberges. Schliesslich konnten sie sich einigen. Sie legten die Marksteine bereit und bestimmten, dass diese am anderen Tag an den betreffenden Stellen gesetzt werden sollen. Über Nacht aber trugen einige Seewenerburschen die Steine auf Ziefnerboden hinüber. Am nächsten Tag merkten die Ziefner den Betrug und machten ihre Nachbarn darauf aufmerksam. Diese liessen aber die Vorhaltungen nicht gelten. Ein Behördemitglied – einige sagen, es sei der Ammann, andere, es sei ein Gscheidsmann gewesen – beteuerte die Unanfechtbarkeit der Grenze, in dem er ausrief: „Wenn es nicht wahr ist, so will ich zu einer Geiss werden!“ Der Seewener musste wirklich nach seinem tode als eine Ziege umhergehen. So oft sich die Geiss in ihrem roten „Lybli“ (Leibchen) zeigt oder ihr Meckern hören lässt, gibt es Regenwetter.

2)
Wo der Holzenberg dicht mit dem schönsten Holze bewachsen ist, soll zu oberst, nicht weit von der Stelle, wo die Hochwacht stand, ein grosser Stein den Ort bezeichnen, wo die Holzenburg gestanden habe. In frühen Jahren wurde viel von der Holzenberggeiss gesprochen. Jedes Mal wenn man sie in schwülen Nächten meckern hörte, habe das Wetter umgeschlagen und sei windig und regnerisch geworden. Aus welchen Gründen diese Geiss in der Gegend der Holzenburg umhergehen müsse, kann nicht gesagt werden.

Vom Rybihund

1)
Vor vielen Jahren stand anstelle der alten Post eine Hanf- und Flachsreibe. Daher heisst das kurze Wegstück zwischen der Poschtbrugg und der Chatzebrugg das Rybigärtli. Die Fortsetzung dieses Weges auf der rechten Bachseite bis zur Mühlibrugg trägt den Namen Chatzetal. Wo jetzt die Säge steht, war ebenfalls eine Reibe. Von hier läuft oft zu später Nachstunde ein zottiger Hund mit grossen Augen durch das Chatzetal hinunter in das Rybigärtli. Ein neugieriger knecht lauerte einmal dem Rybihund auf und folgte ihm bis zum Rybigärtli. Dort erhielt er plötzlich einen tüchtigen Schlag, und am nächsten Tage war sein Kopf stark geschwollen.

2)
Auf dem Wege vom Rybigärtli zum Wälchen hinunter dem Pfarrhaus wurde vor nicht langer Zeit der Rybihund, ein schwarzes Tier mit glühenden Augen, von einem Angehörigen der Pfarrfamilie Alder ebenfalls wahrgenommen.

3)
Ich schlief schon, als mich mein Freund Heiri weckte und mich bat, ihm zu helfen, einige Bändelkisten auf einem Karren zum Bott zu transportieren. Es ging schon gegen Mitternacht, und es war heller Mondschein. Heiri war froh, dass ich mitkam; denn er war ein ängstlicher Bursche. Beim Bott luden wir unsere Kisten auf den Bottenwagen um, der um Mitternacht talwärts fuhr, um am folgenden Morgen in Basel zu sein. Auf dem Heimweg sah ich bei der Chatzebrugg, wie aus dem Häuserschatten ein grosser schwarzer Hund über die Brücke und einige Schritt vor uns die Strasse hinauf lief. Lautlos war sein Schritt, und sein Fell glänzte im Mondschein wie Seide. „Den Hund müssen wir fangen“, sagte ich zu meinem Freund, doch dieser hatte Angst und wollte lieber heimgehen. Ich liess Karren und Heiri stehen und folgte dem Hund durch das Nünigängli, dann den Fussweg hinab bis zur oberen Schmiede. Beim Schmidtengässli verschwand er plötzlich im Dunkeln, und ich sah ihn nicht mehr. In diesem Moment kam mir die Geschichte nicht mehr ganz geheuer vor!“ Heiri war mir nachgefolgt und bat in einem fort: „Karl, komm doch heim!“ Schliesslich dachte ich, es sei doch besser umzukehren, und wir gingen ins Bett.

Hunde im Viktergässli

Als einst ein Mann aus Seewen mit dem Vornamen Viktor oberhalb der Gass ermordet worden ist, sah man jeden Abend in der Dämmerung zwei Hunde das Schmidhübeli hinunter und über die alte Postbrücke ins Pfarrwäldli laufen, wo sie verschwanden. Damals hatte der Schmied einen Gesellen, der diesen Spuk auf die Spur gehen wollte. Er folgte den Hunden, bis sie verschwanden. Totenblass kam der Geselle zurück und sagte nicht, was er gesehen hatte. Er wurde immer schweigsamer und starb bald. Von da an sah man keine Hunde mehr, und es hiess, sie seinen vom Bann erlöst. Das Gässlein bei der alten Schmiede heisst seit dem Mordfall Viktergässli.

Jagdhund mit Ketten

Hinter dem Dorf hört man bei Wetteränderungen einen Jagdhund mit Ketten auf- und ablaufen, besonders wenn ein lauter Wind weht. Einmal ging einer der Sache nach, kehrte heim, legte sich ins Bett und starb.

Schwarzer Wagen

Beim Hof Banholz wurde zu verschiedenen Zeiten ein schwarzer Wagen gesehen. Nachher änderte gewöhnlich das Wetter.

Die gesperrte Strasse

1)
Beim Weissbrunnen, in der Talenge oberhalb Ziefen, soll es früher nicht geheuer gewesen sein. Das erfuhren zwei Reigoldswiler Burschen, die in später Nacht von einem Tanzanlasse heimkehrten. Als die beiden an dieser Stelle vorbei kamen, konnten sie plötzlich nicht weiter gehen. Obwohl auf der Strasse anscheinend kein Hindernis vorhanden war, waren sie wie gelähmt. Zu Tode erschrocken, versuchten sie rückwärts gegen Ziefen zu gehen, und es gelang ihnen schliesslich auch. Im Dorfe krochen siein einen offen stehenden Schopf und verbrachten dort die Nacht, bis der Morgen graute. Nun machten sie sich von neuem auf den Heimweg. Und wirklich, jetzt konnten sie die unheimliche Stelle unbehelligt passieren.

2)
Wo der Stockjokeb einisch znacht der Holzebärg ab heicho isch, isch über d’Stross e Chettene gspannt gsi. Er het welle dure und het eifach nit chönne. Derno isch er is Tal uf d’Landstross gange und het dört porbiert; aber es isch au nit gange. Schliesslig isch er zrugg, der Holzebärg uf, der Rain ab, übere Bach, in d’Cholmatt hindere und underem Fuchs dure äntlig hei. (Als der Stockjakob einmal in der Nacht den Holzenberg runter kam, war über die Strasse eine Kette gespannt. Er wollte dadurch, aber es ging einfach nicht. Danach ging er auf die Landstrasse und probierte es dort, aber es ging hier auch nicht. Schliesslich ging er zurück, den Holzenberg hinauf, den Rain ab, über den Bach in die Cholmatt hinein, unter dem Fuchs (Hof Fuchs) durch endlich nach Hause.)

3)
Eine Schar Mädchen, die am Abend spazierten, konnten oberhalb der Lienibrugg plötzlich nicht mehr weiter. Desgleichen wurde an der Holzenbergstrasse eine Reihe Burschen durch eine unsichtbare Mauer im Weitergehen gehindert.

Ein geheimnisvolles Glöcklein

An einem schulfreien Nachmittag ging ich in die Beckenweid, um bei der Heuernte mitzuhelfen. Als ich durch den Wald unterhalb des Hofes schritt, hörte ich auf einmal ein Glöcklein läuten. Ich schaute mich um, sah aber nicht als den grünen Wald. Zweimal wiederholte sich das Läuten des unsichtbaren Glöckleins. Das war doch etwas fiel für mich, und ich lief dem Hof Beckenweid zu. Dort erzählte ich das Erlebnis, doch man tröstete mich: „Du hast sicher mit offenen Augen geträumt“.

Der Feuersprecher

1758 Donnertag, den 16. Mertzen ist ein grosse Fürsbrunst gewesen, zwei Hüser und zwo Scheunen verbrand. Das eind Haus und Scheuren ist im (dem) Bendel Hug und Hans Tomen gewesen und das ander im Hans Jogi Buser und Bendel Hug Sohn gewesen. Diese Hüser sind in einer Viertelstund in einem Für gewesen, das man nicht habe können darvon bringen. Das bezeug ich, Heiri Tschopp in Zifen“. So steht es auf dem Deckelbrett einer alten Bibel eingetragen, die in Ziefen aufbewahrt wird. An diese Feuerbrunst knüpft sich folgende Überlieferung: Während des Brandes holte man in Liestal einen Feuersprecher. Dieser ritt auf einem Schimmel zur Brandstätte. Dort legte er an allen vier Ecken des brennenden Häuserblockes je ein weisses Blatt Papier nieder. Alsdann sprach er seinen Bannspruch, worauf die Flammen gerade auf gen Himmel schlugen und kein weiteres Gebäude mehr ergriffen. Von da an währte es 101 Jahre, bis Ziefen wieder von einem Brande heimgesucht wurde.

Der grau Fritzehans

Wenn die Ziefnermannen früher in der Coiffeurstube auf der langen Bank beieinander sassen oder wenn sie zur Winterzeit im Walde gmeinwerkten und beim Zobennehmen um das Feuer sassen, kamen sie etwa auf den grauen Fritz zu sprechen. Man kannte ihn nur vom Hörensagen. Wann er gelebt hat, wusste nicht einmal der alte Schnyderpeter, der doch 96 Jahre alt geworden war. Dieser graue Fritenhans war ein Seher oder Prophet. Er verkündete, dass einmal eine Zeit kommen werde, da die Wagen nicht mehr von Pferden gezogen , sondern aus eigener Kraft rauchend, mit glühigen Augen durch die Berge fahren würden, und man werde in Ziefen aus Paris singen hören. Sein Seherblick schaute aber noch anderes in der Zukunft:

Es git e Zyt, das gott erbarm,
Do chunnt der Rych und frisst der Arm,
do chunnt der Arm und frisst der Rych,
Derno hais allbeed glych.

(Es kommt eine Zeit, dass Gott erbarmt,
Da kommt der Reiche und frisst den Armen,
Da kommt der Arme und frisst den Reichen,
Danach haben alle beide gleich viel.)

Eine noch dunklere Prophezeiung lautet: Es wird eine Zeit kommen, da sich der Bauer nicht mehr wehrt „bym Chärne, erscht bim Spreuer, wenn nüt meh syg“.

Der Dublonengarten

Das Haus des Arztes von Ziefen, Dokterhuus genannt, steht im Dublonengarten. So hiess das Landstück, weil dort eine Menge Dublonen gefunden worden sind.

D’Feufbätzli-Gumpi

Eine tiefe Stelle der Hinteren Frenke im Oberdorf nennt man die „Feufbätzli-Gumpi“. Vor vielen Jahren wurde in der Nähe falsches Geld gemacht. Als die Fälschung entdeckt wurde, habe man das Geld dort in den Bach geworfen.

Der See von Ziefen

1)
Als der Felsriegel bei Beuggen noch nicht von der Hinteren Frenke durchbrochen war, bildete die Talweite von Ziefen einen ansehnlichen See. Dann seien die ersten Ansiedler aus dem Elsass gekommen und hätten sich am Holzenberg niedergelassen und seine Abhänge gerodet. Das Kloster auf dem Holzenberg wird mit diesen Siedlern in Zusammenhang gebracht.

2)
„Thommeten soll der älteste Teil des Dorfes sein. Diesen Namen will man ableiten von Damm-matte und damit die Sage einigermassen unterstützen, dieses ganze Tal sei vor alten Zeiten ein See gewesen und hier ein Landungsplatz, in der Nähe des Kirchberg-Schlössleins. Das Dorf hätte somit seinen Ursprung unmittelbar am Fusse des Kirchberges genommen und sich von da weiters ausgebreitet.“ Kohlmatt. „Hier, geht die Sage, soll ebenfalls ein Landungsplatz gewesen sein, als das ganze Tal noch ein See war. Ist Ebenfalls in tiefes Dunkel gehüllt; obgleich man sogar davon will Spuren gefunden haben“.

Vereitelter Kirchenbau

1)
Als Platz für die Ziefner Kirche war die Chäppelen an der Westecke des Ziefner Rebberges ausgewählt worden. Unbekannte, einige sagen: Engel, brachten die Bausteine und das Bauholz an den heutigen Ort auf dem Chilchberg.

2)
Weiter vorgesehene und dann vereitelte Plätze für den Kirchbau waren auf dem Bomberg oder auf dem Brunnmätteli hinter dem Pfarrhaus.

3)
Eine andere Sage schreibt die Erbauung der Kirche auf dem Chilchberg dem Umstande zu, es habe dort in alten Zeiten eine Burg gestanden und man habe dann die verlassenen Mauern zum Bau der Kirche benützt.

Ein Blasius-Wunder

Auf Schloss Gutenfels lebten Rudolf von Schönau und Ursula von Ramstein in glücklicher, aber kinderlosen Ehe. Dies bekümmerte die Schlossfrau sehr; sie betete fleissig und suchte oft die benachbarte Kirche von Ziefen auf, wo die Reliquien und ein wunderträchtiges Bild des Hl.Blasius grosse Verehrung genossen. Als sie eines Abends wiederum in dieser Kirche für die Opfer des Rachefeldzuges nach dem Tode des Königs Albrecht (1308) und für ihr Anliegen betete, trat ein alter Invalide, Hans der Lahme genannt, ebenfalls ein. Er erkannte die andächtige, in ein Büssergewand gekleidete Edelfrau nicht und glaubte, sie sei arm und hungrig. Rasch nahm er aus seinem Bettelsack ein grosses Gerstenbrot und ein Stück Käse, teilte sie in zwei Hälften und reichte ihr die eine mit den Worten: „Gott und der Hl.Blasius geben dir, was dein Herz verlangt“. Hierauf entfernte er sich. Frau Ursula nahm dies als gutes Zeichen auf und kehrte freudig auf ihr Schloss zurück. Dort stellte sie die Gaben Hans des Lahmen in Silberschüsseln dem Schlossherrn und seinen Gästen als Nachtisch auf. Herr Rudolf wurde zuerst wegen dieser geringen Speise zornig; nachdem aber Frau Ursula ihr Erlebnis erzählt hatte, verwunderten sich alle. Nun verteilte sie Brot und Käse. Alle erblickten in der Bettlernahrung eine Verheissung. Die Anwesenden hoben das Empfangene Stücklein Brot auf, um dieses, wenn der fromme Wunsch Hans des Lahmen durch St.Blasius wahr werde, wie eine heilige Reliquie in Ehren zu halten. Ihre Hoffnung wurde nicht enttäuscht: Frau Ursula schenkte ihrem Gatten eine wunderschöne Tochter und künftige Erbin. Hans den Lahmen liess man ins Schloss kommen, nährte und kleidete ihn bis an sein Lebensende. Die kleine Elisabeth genoss eine sorgfältige Erziehung. Sie wurde später die Gattin des Edlen Hartmann von Eptingen. Sie war bekannt als Wohltäterin der ganzen Gegend.

Das Nonnenkloster am Holzenberg

1)
Der Ort, wo dieses Kloster einst gestanden hat, kann nicht mehr genau festgestellt werden. Die Flurnamen Nunhölzli, Hallgart, Gärtli und Wyssbrünnli weisen aber daraufhin, dass sein Standort am nordöstlichen Abhang des Holzenbergs gewesen sein muss. Das Wyssbrünnli war am Steilhang zwischen der Holzenberg- und Talstrasse. Zwischen zwei grossen Pappeln befand sich ein eichener Brunntrog, in dem sich das klare und überaus gesunde Quellwasser ergoss. An diesem Ort will man in föhnigen Nächten die weissgekleideten Nonnen gesehen haben, die sich hier wuschen, und ein Klosterknecht habe seine Rosse getränkt. Unterirdische Gänge sollen das Kloster mit dem Schloss Gutenfels und dem Pfarrhaus in Bubendorf, das einst ein Mönchskloster war, verbunden haben.

2)
Ein alter Ziefner erzählte, er habe vor langen Jahren einmal im Nunhölzli Garbenbänder gesucht (Band gehauen) und sei auf einem Platz gekommen, wo prächtige Nelken, Levkojen, weisse und rote Rosen und auch Schnittlauch angetroffen habe. Er habe einen Blumenstrauss mit nach Hause genommen. Später konnte er den Platz nicht mehr finden, weil unterdessen diese Zierpflanzen ausgegraben und in die Gärten des Dorfes verpflanzt worden waren. Man nahm an, die später überwachsene Stelle im Nunhölzli habe früher zum Klostergarten gehört.

Das Kloster auf dem Ebnet

Daniel Bruckner berichtet: „Auf denen Fruchtfeldern, auf Ebnet genannt, ist ein grosser Schutt Steine, die Einwohner nennen denselben die Heidenkapelle; nach genauer Betrachtung der Ziegelstücke haben wir befunden, dass ein römisches Gemäuer allhier müsse gestanden sein“. Die mündliche Überlieferung nannte als Siedlung ein Kloster oder eine Burg. Ein unterirdischer Gang soll die beiden Klostersiedlungen Holzenberg und Ebnet verbunden haben.

Ein Kloster auf Bloond

Johannes Rippas erzählt von einem Kloster oder einer Einsiedlerhütte auf der Bloondmatt. Er vermutete diese Ansiedlung in der Nähe der ergiebigen Quelle, deren gesundes Wasser gerühmt wurde.

Die alte Hellebarde

Auf dem Estrich der Ziefner Kirche wurde lange Zeit eine alte Hellebarde aufbewahrt. Diese stammte nach der Überlieferung aus der Schlacht bei St. Jakob an der Birs. Einer aus dem Geschlechte der Spiess diente damals bei Henman Sevogel als Knappe. Während zehn andere Ziefner und ein Arboldswiler tot auf dem Schlachtfeld blieben, kehrte Spiess wieder heim. Als Anerkennung für seine Dienste wurde er nachher mit dem Amte des Sigrists betraut. Die Hellebarde aber wurde von einem unrühmlichen Nachfahren vor einem Jahrhundert um wenig Geld einem Trödler verkauft.

Das Sigristengut in Ziefen

Im Jahre 1534 übergab der Pfarrer Leonhard Strübin den Chilchberg dem Lienhard Spiess als Erblehen. Während Jahrhunderten blieben Sigristenamt und –gut in den Händen der Familie Spiess. Erst 1881 wurde das Land veräussert, nachdem der letzte Spiess bis 1873 als Sigrist geamtet hatte. Das Sigristenhaus mit seinem Garten steht noch heute als einziges seiner Art im Besitz des Kirchen- und Schulguts von Baselland. Ein Verwandter des in der Schlacht bei St.Jakob gefallenen Führers der Baselbieter, Henman Sevogel, soll das Erblehen gestiftet haben. An die Sevogel, die im 15. Jahrhundert Schloss Wildenstein besassen, erinnert ein Landstück im Ziefner Rebberg, ebenso der Flurname „Tiergarten“ (nördlich des Chilchbergs), wo die Wildensteiner Herren ein Wildgehege unterhielten. Der Familienname Spiess soll auf einen Angehörigen zurückgehen, der unter Henman Sevogel Spiessträger war.

Der Reichtum des Hofes Beckenweid

1)
Hans Jakob Recher, der Erbauer eines Posamenterhöflein in der Beckenweid, geriet nach den Napoleonischen Kriegen in grosse Bedrängnis. In seiner Not wandte er sich an seinen Bruder Heinrich, den Bäcker in Ziefen. Dieser erklärte ihm, er sei nicht imstande, ihm zu helfen, schenkte ihm aber einen jungen Kirschbaum mit den Worten: „Der wird dir Glück bringen“. Der so beschenkte kehrte auf sei Höflein zurück und setzte das Bäumchen in unmittelbarer Nähe des Hauses in eine kleine Mulde. Beim Ausheben des Pflanzloches stiess er auf eine gefüllte Geldkassette, wurde ein reicher Mann, und aus dem Höflein wurde ein stattlicher Bauernhof.

2)
Beim Rückzug aus Russland wollte eine französische Trainabteilung über das Reigoldswilertal ins Birstal und zurück nach Frankreich. In der Beuggen verfehlten die Franzosen den Weg nach Ziefen und gerieten nachts auf den Karrenweg nach Arboldswil. Dabei fiel eine Kriegskasse auf den holprigen Weg von einem Wagen. Durch den nächtlichen Lärm aufmerksam gemacht, sahen die Bewohner der Beckenweid tags darauf nach und fanden eine eisenbeschlagene Kasse voller Goldstücke. Sie verhielten sich still und vergruben den Schatz, um ihn später zu heben.

Ein Ziefner in der grossen Armee Napoleons

Der zweitletzte Kuhhirt von Ziefen hiess Heini Gätteli und war ein Heimatloser. Von ihm wird gesagt, dass die vielen Jahre, während denen er zu Ziefen Hirt war, zusammengezählt sieben Jahre Sonntag ergeben hätten. An die grosse Armee, mit welcher Napoleon I. nach Russland zog, hatte die Schweiz 18’000 Mann zu stellen. Die Regierungen verteilten die zu stellende Mannschaft auf die Orte. Ziefen hatte einen Mann zu stellen, aber woher nehmen? Freiwillig wollte niemand gehen, und durchs Los entscheiden wollten die vornehmen Bürger nicht. So kam der Gemeinderat auf den Einfall, durch grosse Versprechungen und Wein den Gätteli ins Garn zu locken. Wie er „ja“ gesagt hatte, wurde er nicht mehr aus den Augen gelassen und, mit etwas Geld versehen, 1812 zu der grossen Armee abgeliefert. Er kam nach Moskau und wieder zurück an die Beresina, wo er durch Hunger und Kälte den Tod fand.

Der grobe Schmied

Zur Zeit der Napoleonkriege wurde an einem kalten Winterabend eine Schwadron ungarischer Husaren in Ziefen einquartiert. Es waren prächtige Burschen von verwegenem, abenteuerlichem Aussehen. Der Rittmeister liess sofort den Ortsvorsteher hohlen und teilte ihm seine Wünsche für die Unterbringung der Truppe mit. Als alles geregelt war, stellte der Rittmeister noch die merkwürdige Frage: „Wer ist der gröbste Man in eurem Dorf?“ Der Gemeindepräsident stutzte zuerst und meinte dann: „Gross höflich sind wir in Ziefen gerade alle nicht, aber es mag der Schmied sein, der nicht allein bei uns, sondern in der ganzen Talschaft als ein weidlich grober Gevatter gilt“. Der Rittmeister notierte sich sofort den Namen des Dorfschmieds und liess sich dessen Haus beschreiben. Dann empfahl er sich mit leutseligem Gruss. Nach fünf Minuten ritt an der Hofstatt des Schmiedmeisters ein schmucker Husar vor, sass ab und führte, ohne ein Sterbenswörtlein zu sprechen, sein Ross in die Wohnstube hinein. Darauf machte er sich an die kunstvoll eingelegte Kommode, zog die oberste Schublade heraus, warf den Inhalt kurzerhand zum Fenster hinaus und schüttete stattdessen den Hafer in die Schublade. Nun war das Pferd besorgt, und nach guter Reiterart durfte jetzt auch der Husar an sein leibliches wohl denken. Er forderte, so grob er konnte, ein kräftiges Nachtessen. Jetzt aber kam’s. Plötzlich fühlte er sich von hinten durch zwei starke Arme gepackt. Es war der riesenhafte Schmied, der mit einem einzigen Kunstgriff die Hände des Soldaten band und ihn dann in den Stall führte. Wo sonst die Kuh stand, wurde der Husar am Hals angebunden und das Essen ihm in die Krippe aufgeschüttet. Wohl tobte und wetterte der Mann gräulich, aber der Schmied sprach kalt zu ruhig: „Ich habe mir gedacht, es wäre bei euch in Ungarn gebräuchlich, dass das Ross in die Stube und der Mann in den Stall kommt“. Der Rittmeister freute sich königlich, als dieser Husar, von langem her das Sorgenkind seiner Truppe, endlich seinen Meister gefunden hatte. Er liess ihn einen Tag lang im Stall stehen, den Kameraden und dem ganzen Dorf zum Gespött!

Verschobene Grenzlinie

1)
Die Banngrenze zwischen Ziefen und Seewen SO bildet auf dem Gauset eine eigentümliche Zickzacklinie. Dieser Grenzverlauf hat folgende Ursache: Am Tage vor der Steinsetzung wurden alle Grenzsteine an Ort und Stelle gebracht. In der darauffolgenden Nacht führte ein Mann aus Seewen einen der Bannsteine mit Hilfe seines Schimmels hinweg an den Ort, wo er heute noch steht, nämlich diesseits der Seewner Rüttenen. Entgegen aller von der Ziefnerseite erhobenen Einsprachen wurde dann am nächsten Tag der Stein an dieser Stelle gesetzt. Zur Strade für seinen Grenzfrevel wurde der Seewner Mann nach seinem Tode zum Schimmelreiter verdammt.

2)
Die Grenze am Gauset zwischen Ziefen und Seewen war umstritten. Die Vertreter der beiden Gemeinden traten zu Unterhandlungen zusammen und einigten sich über die Standorte der zu setzenden Steine. Diese wurden an Ort und Stelle verbracht. Nach diesem gütlichen Vergleich luden die Seewner die Ziefner zu einem gemeinsamen Trunke in einem Seewner Gasthause ein. Während nun dort die Grenzbereinigung gebührend gefeiert und dabei tapfer gezecht wurde, schafften einige Seewner die Steine von den vereinbarten Plätzen weg und verrückten so die Grenze gegen die ziefnerseite, wo die Steine nachher gesetzt wurden. Zu spät merkten die Ziefner, dass sie bei diesem Handel betrogen worden waren. Ihre nachträglichen Beschwerden hatten keinen erfolg mehr.

Der Räbholdebuur

Über dem sonnigen Abhang des Ziefner Rebberges erhebt sich die Waldkuppe der Rebholden. In stürmischen Nächten, wenn es durch die hohen Föhren dort oben „chuttet“, fährt der Räbholdebuur mit schwer beladenem Brückenwagen, der mit zwei Schimmeln bespannt ist, den Rebholdenweg entlang. Man hört seine Peitsche aber auch unten knallen. Er fährt mit seinen Rossen die Rebgasse hinunter bis ins Dorf, wo er sie in die Schwenke führt. Sein Peitschenknallen zeigt Regenwetter an. Die Erscheinung soll nur Sonntagskindern sichtbar sein. Er war zu seinen Lebzeiten ein böser und zanksüchtiger Mann gewesen und muss zur Strafe nach dem Tode „umgehen“. Es heisst auch von ihm, er sei ein Wucherer gewesen, der Witfrauen um Hab und Gut gebracht habe. Besonders hat er es auf die Fuhrleute abgesehen, dass ihm die Pferde am Rebholdenweg nicht weitergehen wollen oder dass er zu Fall kommt und unter den Rädern Schaden nimmt, wenn er die „Mechanik“ bedienen will. Von einer Stelle im Rebberg, dem Heissenstein, wo nur spärlich Gras wächst, sagt man, hier habe der Räbholdebuur mit einer silbernen Sense gemäht.

Quelle:
Aus dem Buch “Baselbieter Sagen” von Paul Suter und Eduard Strübin, Verlag des Kantons Basel-Landschaft.

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