Ziefner Auswanderer

Arbeitslosigkeit, schlechte Lebensbedingungen, teils aber auch Abenteuerlust, veranlassten immer wieder Dorfbewohner, auszuwandern, um in der Fremde eine neue Existenz aufzubauen. Agenten aus fernen Ländern, besonders aus Nordamerika, versprachen den Leuten gute Verdienstmöglichkeiten und konnten auf diese Weise viele zur Auswanderung bewegen. Am häufigsten waren die Auswanderungen im 18. Jahrhundert, bevor sich die Heimposamenterei in unserem Dorfe ausbreitete und besseren Verdienst brachte. Über die Schicksale der vielen Familien, die in der „Neuen Welt“ ihr Glück versuchten, ist nur wenig bekannt. Meistens kehrten die Auswanderer nie wieder in ihre Heimat zurück.

Hier einige bekannte Beispiele:
Am 26. Brachmonat (August) 1740 haben Samuel Tschopp und sein Sohn „allwo sy uff Pänsalvania In das neu land gezogen“ der Gemeinde eine ganze Anzahl Obstbäume an verschiedenen Orten gegen Bezahlung von 2 Pfund und 9 Batzen „zu ewigen Ziten überlassen“. 1803 wanderten 24 Personen aus.

Ältere Leute wissen zu erzählen, dass die Auswanderer mit Brückenwagen aus dem Dorf weggefahren seien. Die ganze Bevölkerung Habe dabei Abschied genommen. Der Männerchor sang Lieder. Der aus Ziefen ausgewanderte David Recher gründete 1890 in Chicago eine Weinhandelsfirma. Sein Unternehmen wird heute von seinen Nachkommen weitergeführt.

Im Jahre 1768 wanderte Hans Jakob Rippas mit seiner Familie nach Virginia (USA) aus, ohne Bewilligung der „Gnädigen Herren“ zu Basel und ohne die gesetzlichen Gebühren bezahlt zu haben. Weil er sich heimlich davon machte, wurde er aktenkundig. Ein Nachkomme, der heute in Texas lebende Jack Reppas (Rippas), fand unlängst in seinem Familienarchiv ein altes handgeschriebenes Notizblatt, das ihn nach fast 200 Jahren wieder zurück in seine alte Heimat wies. Er scheute keine Kosten, um seine Herkunft ausfindig zu machen. 1972 schrieb er an die heute in Ziefen lebende Familie Rippas. Dieses Beispiel zeigt, dass nach Generationen und über das „Grosse Wasser“ hinweg der Weg zurück in die Heimat der Väter gesucht wird.

Dass nicht nur ein vergilbter Zettel wegweisend sein kann, beweist eine Suppenkelle, die Peter Recher, seines Handwerks ein Schumacher, anno 1751 bei seiner Auswanderung als andenken nach Philadelphia mitgenommen hat. Diese silberne Suppenkelle wurde von seinen Nachkommen als Familienkostbarkeit von einer Generation zur anderen vererbt. Der älteste Stammhalter hütete sie jeweils, und sein Name wurde in die Kelle eingraviert. Der Sinn, welchen die Suppenkelle ursprünglich verkörperte, die Erinnerung an die Heimat, ging mit der Zeit verloren und es wusste auch niemand mehr, wo diese lag. Erst ein in Amerika lebender Auslandschweizer konnte Fred Recher darauf aufmerksam machen, dass dieser Familienname in Baselland vorkomme. Als militärische Dienste Major Recher in die nähe der Schweiz brachten, liess er es sich nicht nehmen, Nachforschungen an Ort und Stelle anzustellen. Er reiste nach Basel und wurde dort in unser Dorf gewiesen. Hier fand er nach über 200 Jahren seine Verwandtschaft und auch das Stammhaus seiner Familie. Diesen Tag nannte der Amerika-Recher einen der schönsten in seinem Leben, weil er ihm die Heimat seiner Väter gezeigt habe.

1923 fuhr Arnold Schad zusammen mit drei weiteren Ziefner nach Kanada, wo er auf verschiedenen Farmen tätig war. 1961 kehrte er nach 38 jährigem Auslandaufenthalt unangemeldet in sein Heimatdorf zurück, wo er heute seinen Lebensabend verbringt. Von den anderen Mitauswanderern fehlt jede Spur. In neuerer Zeit ziehen oft junge Leute nach beendigter Lehrzeit ins Ausland, um ihren Horizont zu erweitern, kehren aber nach relativ kurzer Zeit wieder zurück.

Auswandererlieder 19. Jahrhundert

Willst Du das Dienstbüchlein zerreisen
Und wandern nach Amerika?
Willst nicht mehr freier Schweizer heissen?
Ja, ja, das Land Amerika!
Dich reizen Kaliforniens Felder,
wo man das Gold im Flusse wäscht.
Fahr hin, fahr nach Amerika,
ich bleib im Land der Alpen, ja.
Fahr hin, fahr nach Amerika.
Ich bleib als freier Schweizer da.

Juhei, juhei, juheissassa,
wir wandern nach Amerika.
Der Wagen, der steht schon vor der Tür,
mit Weib und Kinder jetzt ziehen wir.
Und sind wir dann in Baltimore,
so strecken wir die Hände empor
und rufen laut Viktoria,
nun sind wir in Amerika.
Amerika, du schönes Land,
bist in der ganzen Welt bekannt.
Und rufen laut Viktoria,
nun sind wir in Amerika.

Quelle: Heimatkunde Ziefen

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